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Fest-Zeitung zur Feier des 50jähr. Bestehens der beiden freiwilligen Feuerwehren in Giessen / [Landesverband Hessischer Feuerwehren]
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18. Weil auch vor dieſem die Leitern und Feuer-Hacken hin und wieder in der Statt gelegen/ und nicht allerdings wohl verwahrt/ ſon⸗ dern derer viel verdorben/ auch gar verbracht worden/ ſo ſollen ſelbig hinführo beneben den ledern Symern und anderer nöthiger Bereitſchafften von denen darzu verordneten Brandmeiſtern beſſer in acht genommen und beobachtet werden/ damit auch daran kein Mangel erſcheine/ ſo ſollen deren ein und zwar der mehrer Theil/ under dem Rath Hauß die übrige aber in denen vier Quartieren an beſondere darzu beſtellten Orten verwahrlichen hingelegt/ und in guter Bereitſchafft gehalten werden/ worzu neben dem Burgermeiſter der ältiſte Brandmeiſter in jederm Quartier einen Schlüſſel haben ſoll.

19. Auch ſoll ein jeder vermögender Bürger ein meſſinge Waſſer⸗ Spritzen in ſein Hauß zeugen/ und dabeneben uffm Rath⸗Haus uffs wenigſt ſolcher Spritzen vier gehalten werden.

20. Uff fremdde Leuthe)/ welche zum Feuer kommen möchten/ ſollen alle Bürgere und andere ſo zum leſchen verordnet/ gute Achtung geben/ damit durch ſie/ in Geſtalt der hülff/ nicht weiter Schaden ge⸗ ſchehen/ ſondern ſie beſpracht/**) und wann einer oder ander verdächtig erfunden werden ſolte ſelbiger ſoll ſo bald Hand feſt gemacht und dem Statt⸗Schultheißen gelieffert werden.

21. Vnd damit umb ſo viel deſto beſſere Ordnung geſchafft und Schade abgewendet werden möge/ ſo ſollen dieſer Zeit Brandmneeiſter ſeyn/ wie ſelbige in denen vier Quartieren der Statt in der Beylage abſonderlich benambt werden; Welchen hiernebe die Bürger ſambt und ſonders/ bey hoher unnachläßiger Straffe in ſolchen Fällen/ gebührlichen Gehorſam und willige Folge thun/ auch worzu ſie ſelbige anweißen/ alles zum treulichſten verrichten/ inmaſſen die Statt-Beambte/ wie auch Burgermeiſter und Rath/ jederzeit Perſönlich erſcheinen) denen Brand⸗ meiſtern und allen andern mit Rath und That beyzuſpringen ſich an⸗ gelegen ſein laſſen ſollen.

22. Zu beſchwerlichen winterlichen Zeiten ſoll ein jeder Sin⸗ wohner mit den ſeinen uff Feuer und Licht gute Achtung haben/ GOTCT num Gnade bitten/ alles Vnglück abzuwenden und ein jeder ſein Hauß⸗Geſind mit Ernſt darzu anhalten.

15. Solten auch ein oder mehr/ ohne das in Gefahr ſtehende Häußer/ umb die Feuers⸗Gewalt deſto beſſer zu dempfen/ müſſen ab⸗

geriſſen werden/ ſo ſoll ſich der Herr deſſelben zumahl nicht wiederſetzen/

ſondern ſolches geſchehen laſſen/ jedoch ſoll hiernechſt geſehen werden, wie von den jenigen derer Häußer kundbarlich durch dieſe Abreißung er halten worden/ ſolchen Schaden zuerſetzen/ zuſammen gelegt/ und

denen/ obgedachter maſſen Schaden leidenten mit Hülff wieder beyge⸗ oder Wachsfackeln ſoll aber ein vor allemal verboten bleiben.

ſprungen werden möge.

24. Damit auch durch Fahrläſſigkeit kein Vnglück entſtehe/ ſo ſoll hinführo kein Flachs mehr in Backoffen) Häußern oder Stuben/ ſondern uff freyen Platz und vor der Pforten/ auſer der Statt und Veſtung(an der Sonnen) und ſonſten nicht gedörret werden/ welcher aber ſolches überſchreiten würde! ſoll mit Fünff Gülden ohnweigerlich geſtraffet werden.

25. So ſoll auch keinem hinführo bey Licht in Scheuren zu treſchen verſtattet werden/ er habe dann eine wohlverwahrt verſchloſſene Leuchte) ſo nochmals an einem beſondern darzu gemachten Caſten/ an einen unſchädlichen Ort hangen) und durch die Beambten/ Burger⸗ meiſter und Rath vor der Treſchung beſichtiget werden ſollen/ und welcher Treſcher ſolche Leuchte nicht haben wird/ ſoll unſerm gnädigſten Fürſten und Herrn mit fünff Gülden ſtraff verfallen ſein.

26. Ingleichem ſollen alle Wirth und Gaſthalter in ihren Ställen und Cammern)/ eyſern Leuchte mit breiten Füſſen henckend haben/ da⸗ mit ſolche Leuchter weder Strohe noch ander anzündente Werck umb ſich haben/ die Gaſthalter ſollen auch mit zuſehen! daß von den Gäſten und ihrem Geſind mit den Lichtern allerdings vorſichtig umbgegangen werde.

27. Alß auch offtmahls außgefegt/ Schaden entſtehen/ ſo ſichtiget und die ſo gefährlich endert werden.

28. Deßgleichen ſoll auch kein Holtz Fütterung noch Strohe an den Ort/ da Schornſtein ſtehen/ gelegt auch zumahl kein Holtz in Oeffen gedörret werden/ innmaſſen der jenige! in deſſen Hauß/ durch dergleichen Fahrlößigkeit/ ein Brand entſtehen ſolte/ mit willkühriger ſtraffe belegt werden ſoll.

29. und Sechszehener/ ſollen alle viertel Jahr in der Statt umbhergehen/ die Backöffen! Brauhäußer/ Schmitten und andere dergleichen Häußer/ ja alle Feuerſtätte zum treulichſten beſichtigen!/ was mangelhafft und ge⸗ fährlich abzuſchaffen/ befehlen verbeſſerung in einer beſtimbten Zeit bey gewiſſer Straff gebiethen/ und wer demſelben alſo nicht nachlebet/ ohn einig überſehen/ die Straff gegen die ungehorſame zu Werck ſetzen und nichts do weniger uff Abſchaffung der befundenen Gefahr ernſtlich dringen.

30. Dieweil ſich auch zimlich viel Handwercks⸗Geſellen in dieſer

durch die Schornſtein/ die nicht fleißig

abgeſchafft/ und nach Vermögen ge⸗

Statt zubefinden pflegen/ ſo ſollen die Meiſter bey ihren Pflichten ſchuldig

**) beſpracht= beobachtet.

ſollen die ſelbige nechſtes Tages be⸗

Die Beambten ſambt Bürgermeiſter und etzliche deß Raths

ſeyn/ wann einer oder mehr Geſellen ſich 14. Tagen lang beym hand⸗ werck in der Statt uffhalten! daß ſelbige ihre Geſellen dem Statt⸗Schult⸗ heißen heim weiſen! welcher ſie mit leiblichem Ayd beladen ſoll/ ſo lang ſie in dieſer Veſtung verharren werden/ der Statt getreuf und in allen Nothfällen gewertig zu ſeyn.

Vnd damit dieſe Ordnung deſto ſteiffer in acht genommen werde ſoll dieſelbe nicht allein zu jedermanns Wiſſenſchafft, in offenen Truck gegeben/ ſondern auch allen Ober- und under Beambten, Bürgermeiſtern und Rath/ ſo dann denen Brand⸗ und Quartiermeiſtern/ wie auch allen Zünfften zugeſtellt) ſo dann auch in einem jeden Quartal zu der Zeitz wann die erſt gemelt/ die Bau- und Feuerſtätte beſichtigt werden/ der geſambten Bürgerſchafft vorgeleſen/ und ein Jeder in ſeinem Ambt und Stand deren zugeleben/ bey ſeinen Pflichten und Vermeidung un⸗ außbleibender Straff ermahnet werden;/ Geben in Gieſſen unterm hier⸗ fur uffgetruckten Fürſtlichen Cantzley Secret. den 10. Tag Januarii Anno 1667.

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1. G Fürſtliche Heſſiſche Re⸗

A /J gierung daſelbſten.

Die Verordnung, gegeben Pirmaſens den 26. XI. 1773, welche die oben abgedruckte abänderte, iſt im Ganzen nur eine Verkürzung, und in wenigen Punkten geänderte. Sie enthält zunächſt 5 Artikel, die in eine Bau⸗Ordnung gehören, im Artikel 6 eine Anweiſung für die Kaminkehrer.

Artikel 7 lautet nach einem SExemplar des Muſeums:

Siebentens Hat es bey denen, zu Abwendung Feuersgefahr in der General-Verordnung de anno 1767. gemachten Präcautionen und Ver⸗ ordnungen ſein Verbleiben, und iſt das Tabacksrauchen nicht nur an gefährlichen Orten, ſondern auch beym Gehen über und durch die Straßen, das erſtemal mit einem halben Gulden, über Miſtenſtätte, Höfe wo Stroh lieget, mit 1. Gulden, in Ställen und Scheuern mit I. Gulden 15. Albus, das Holtzdörren in den Kaminen und unter denen Oefen, desgleichen das in§. 14. der angezogenen Verordnung verbotene Kohlentragen über die Straße ebenwol mit 1. Gulden, über Miſten⸗ ſtätte mit 1. Gulden 15. Albus zu beſtrafen. Muſiquen bey Pech⸗

Artikel 8:

Achtens. Der Thurnmann ſoll bey Tag fleißig, und des Nachts alle viertel Stund, entweder ſelbſt oder einer ſeiner Leute auf allen Seiten die Stadt überſchauen, und ſobald er Feuer vermercket, auf die große Glocke ſchlagen, und des Tags gegen den Ort des Brands eine rothe Feuer⸗Fahne ausſtecken, und des Nachts eine Laterne aushängen, damit jeder ſogleich wiſſen könne, in welcher Gegend das Feuer ſeye: ſodann aber auch dem Commandanten der Veſtung und den Beamten unverlängte Anzeige thun.

Artikel 9 15 unterſcheiden ſich nur wenig von der alten Ordnung.

Artikel 14 heißt:

Vierzehndens. Diejenige ſo der Feuersbrunſt am nächſten wohnen, ſie ſeyen Bürger oder frey, ſollen Bütten vor ihre Häuſer ſetzen, und ſolche mit Waſſer anfüllen.

Artikel 15:

Funfzehendens Jederman, er ſeye gleich frey oder nicht frey, ſoll ſich gleich als bishero aus einem rühmlichen Eifer geſchehen iſt, dem Löſchen nähern, oder doch erſtere ihre Leute ſchicken, und ſollen Mannsleute welche den Spritzen am nächſten wohnen denenſelben, und welche denen Leiterhäuſer am nächſten ſind, dieſen zueilen, und Spritzen, Leitern und Feuerhacken herbeyſchaffen, die, welche dem Rathhaus am nächſten wohnen, die Feuer⸗Simer abholen; die Weibsleute hingegen mit Züber und Eimer Waſſer herbeytragen.

Artikel 1618 geben nur wenig Aenderung.

Artikel 10 lautet: 4

Neunzehendens. Bey dörrem Wetter ſoll in einem jeden Hauß ein Zuber mit Waſſer gefüllet jederzeit bereit gehalten werden, daß man bey entſtehendem Feuerlermen dem Feuer damit in der Ge⸗ ſchwindigkeit zu eilen könne. Bey ſtrenger Kälte hingegen wird auf dem Rathhauß beſtändig heiſes Waſſer in einem Ofen⸗Cöpfen bereit gehalten, daß wenn eine Spritze wegen Eis nicht gangbar wäre, die⸗ ſelbe ſogleich aufgedauet werden könne.

Artikel 20:

Zwanzigſtens. Sollen an denen vier Plätzen, der Cantzley,

in der Neuſtadt, am Hospital und in der Stadt⸗Waag jederzeit genug⸗ ſame und düchtige Feuerleitern und Hacken vorrätig ſeyn, jedoch aber weil man ſolche nicht verſchließen kan, ohne beſonderr Erlaubnis auch ohne etwas in das Stadt-aerarium bezahlet zu haben, außer Feuers⸗ gefahr zu einem Privat-Gebrauch bey fünf Gulden Strafe von Nie⸗ mand geholet werden.