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Fest-Zeitung zur Feier des 50jähr. Bestehens der beiden freiwilligen Feuerwehren in Giessen / [Landesverband Hessischer Feuerwehren]
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Wie viele Mitglieder das Corps auf Grund dieſer Satzungen bei der Gründung zählte, iſt, wie geſagt, nicht feſtzuſtellen.

Die Ausrüſtung erlitt im Jahre 1859 eine Aenderung, indem auf Wunſch der Feuerwehr an Stelle der im§ 14 vorgeſchriebenen Ledermützen ſchwarz lackierte Filzhelme zur Einführung gelangten, zu deren Beſchaffung der Gemeinderat am 16. Dezember des Jahres eine Subvention von 80 fl. bewilligte, die Hälfte des Erforderlichen, die andere hälfte trug die Corpskaſſe.

Auf dieſer Grundlage hat ſich die Gießener freiwillige Feuerwehr gedeihlich weiter entwickelt und iſt im allgemeinen auch ſtets im Ein⸗ verſtändnis mit der ſtädtiſchen Vertretuns geblieben. In Einzelfällen allerdings iſt es zu Reibungen gekommen, ſodaß ſogar die Feuerwehr ſich einmal weigerte, nach auswärts Brandhilfe zu leiſten, aber immer wieder kam eine Ausſöhnung zu Stande; möge es auch in alle Zeit ſo bleiben.

Gießen. Dr. Emil heuſer.

Die Gründung der freiwilligen Gailſchen Feuerwehr war bereits, bevor die Organiſation der ſtädtiſchen Feuerwehr vollendet war, erfolgt.

Der Tabakfabrikant G. Philipp Gail hatte ſchnellen Entſchluſſes und weitſichtig, wie es dem Bilde ſeiner Perſönlichkeit entſpricht, ſelbſt⸗ ſtändig die Begründung einer freiwilligen Feuerwehr in die Hand genommen. Er beſchaffte eine Spritze und die nötigen Geräte auf eigene Koſten und rief eine Anzahl Bürger und Handwerksmeiſter zuſammen, um unter ſeiner Protektion und unter Leitung ſeiner Söhne (Ferdinand Gail als hauptmann und Carl Gail als Rechner) dieſe Wehr als freiwillige Gailſche Feuerwehr der Bürgerſchaft dienſtbar zu machen.

Die Wehr ſieht dankbar auf die lange Jahresreihe ununter⸗ brochener Arbeit zurück und iſt ſtolz darauf, unter der pflegenden Hand des jeweiligen Chefs des angeſehenen hauſes G. Philipp Gail, ohne große Anſprüche an finanzieller Beihilfe, ſich im weſentlichen aus ſich ſelbſt heraus erhalten zu können und damit dem idealen Ziel einer freiwilligen unabhängigen Wehr in vollem Maße zu entſprechen.

D. R,

☛☛ Feſtgruß.

19rch⸗ Volksgewühl iſt kaum ein Weg zu bahnen, Von ſchwerer Arbeit ruht die fleiß'ge Hand, Im Laubgewinde und mit weh'nden Fahnen

Zeigt heute Gießen ſich im Feſtgewand.

Freiwill'ge Feuerwehren, Bund'sgenoſſen

Ziehn freudig heut in unſern Mauern ein,

Die feſt und treu zuſammenſtehn, geſchloſſen,

Wo Fährnis droht, wie eine Wacht am Rhein!

Seid hochwillkommen denn in unſerm Tale!

Wie kampfgeſtählte Ritter nahet Ihr!

Im Panzer nicht von Eiſen oder Stahle,

Schlicht, ohne Prunk, ohn' eitlen Tand und Zier!

Das Haupt umſchließet nur ein Helm von Leder,

Ein derber Kittel iſt des Dienſtes Kleid!

Zwar ohne Schwert und Schild Ein HDeld doch jeder, Im Kampfe gegen unſern Feind gefeit!

Wo ungezügelt wild verzehrend Feuer

Zum Himmel auf, die Kieſenarme ſtreckt, Vernichtung droht, was unſerm Herzen teuer,

Die Flammenzunge Haus und herd beleckt,

Im glüh'nden Pfuhl, im ſprüh'nden Funkenregen, Da iſt die Wahlſtatt, drauf Ihr kühn Euch wagt, Da ſtemmt dem Feind Ihr feſt die Fauſt entgegen, Ehrliche Streiter, kühn und unverzagt!

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Gerüſtet ſteht Ihr da zu tapfrer Wehre,

Dem Feinde blickt Ihr furchtlos ins Geſicht! Nicht lockt Such Ruhm, nicht äußerliche Ehre, Dem Nächſten helfen iſt Euch Bruderpflicht! Und ob Gefahren überall Euch winken,

Der Drache ziſchend ſpeit ſein tötend Gift,

Nie laßt den Mut Ihr, nie die Hoffnung ſinken, Bis hingeſtreckt ihn die Vernichtung trifft!

So zeigt Ihr Euch als echte Gottesſtreiter, Erfüllt, beſeelt von einer höhern Kraft!

Dem Böſen wehrend, Gutes tragend weiter, Iſt's Liebe nur, die in Euch Großes ſchafft! nährt im Herzen dieſes heil'ge Feuer,

O löſcht's nicht aus in dieſer Zeiten Streit! Laßt ſeine Flamme lodern immer freier,

Den Haß verzehrend, der die Welt entzweit!

Schürt heil'ger Eintracht lichten, hehren Funken, Glüht für das Gute, was als Recht erkannt!

Die Friedensfackel ſchwinget ſiegestrunken,

Daß Glück und Segen blüh im Vaterland!

So löſcht, ſo ſchürt! Laßt nie die Hände ſinken, Wo hilf iſt not, wo's gilt des Nächſten Wehr! Schaut nicht dabei zur Rechten oder Linken,

All Euer Tun geſcheh zu Gottes Ehr!

So ſei's ſo wollen wir Euch feſtlich grüßen, Freiwill'ge Feuerwehren reich an Zahl, Herſuchen, Euch die Stunden zu verſüßen

Mach ernſter Arbeit, hier in unſerm Tal!

Und habt Ihr wieder Euer Heim gefunden, Von dem Ihr freudig ſeid zu uns geeilt, Gedenkt Ihr hoffentlich noch oft der Stunden, Die Ihr bei uns in Gießen froh geweilt.

O

Die Gießener feuerwehren. Mel.: Friſch auf, friſch auf Ihr Brüder.

Vor mehr als fünfzig Jahren Da war das Löſchen ſchwer, Weil man in Gießen hatte Moch keine Feuerwehr.

Stand da in Brand

Ein wacklig altes Haus, So rückte nur wem's paßte Zum Löſchen aus.

Und mit dem Alarmieren War es erſt ſchlecht beſtellt: Es wurde vom Ortsdiener Das Feuer ausgeſchellt.

Wer überhört'

Der Schelle Klingeling,

Der blieb im Bett, bis dieſes Auch Feuer fing.

Auch die fünf großen Spritzen Landgrafen nur genannt Sie konnten nicht viel nützen, Wenn ausbrach wo ein Brand. Von Disziplin Und Uebung keine Spur,

Kein Waſſer in den Pumpen, RKeins in derSchur.

Einſt wollten die Turner Errichten eine Wehr, Doch unſer guter Stadtrat Gab kein Geld dazu her. Wahrſcheinlich hatt' Der Stadtſack g'rad ein Loch; Doch böſe Leut' behaupten: Er hätt's heut' noch.

Was man verſagt den Turnern Mit bitteremGut heil Das brachte bald zu Stande Herr Georg Philipp Gail. Er ſprach:Ich gründ' 'ne Feuerwehr ſofort, Und wie wir alle ſehen, Hielt er auch Wort.