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Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen / der Oberbürgermeister: Gnauth
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der Reinigungseffekt geringer, als er zu wünſchen wäre. Der Schlamm aus den Klärbecken wäre mit Torf oder, wie es neuerdings in Marburg ebenfalls geſchieht, mit ſtädtiſchem Müll zu kompoſtieren. Dieſes, ſowie das durch die Rechen zurück⸗ gehaltene Material und die Senkſtoffe wären landwirtſchaftlich zu verwerten. Bei einer derartigen Reinigung würde eine Ablagerung von Sinkſtoffen im Lahnbett ausgeſchloſſen ſein, und da außerdem, wie wir geſehen haben, ſelbſt nach einer Ver⸗ doppelung der Einwohnerzahl Gießens und bei niedrigem Be waehonde die ein⸗ geleiteten geklärten Abwäſſer immer noch eine ca. 25fache Verdünnung erfahren würden, wäre der ſelbſtreinigenden Kraft des Fluſſes nach einem allgemeinen Er⸗ fahrungsſatze nicht zu viel zugemutet. Im Vergleich zu dem gegenwärtigen Zu⸗ ſtande würde der künftige jedenfalls eher eine geringere als eine größere Lahn⸗ verunreinigung bedeuten.

Sollte ſich wider alles Erwarten im Betriebe herausſtellen, daß weiter⸗ gehende Reinigungsmaßregeln nötig wären, ſo müßte man ſich auch zu dieſen ent⸗ ſchließen; man würde ſich aber vorausſichtlich dann, was die Wahl des Verfahrens betrifft, in günſtigerer Lage befinden, weil inzwiſchen bezüglich einiger neuerer, zur Zeit noch nicht hinreichend erprobter Methoden die nötigen praktiſchen Erfahrungen gewonnen ſein dürften.

Als vorzügliche Methode der Reinigung ſtädtiſcher Abwäſſer gilt heute be⸗ kanntlich diejenige durch Rieſelung. Bei der Oberflächengeſtaltung und der Boden⸗ beſchaffenheit des Lahnthals, ſowie ſeiner dichten Beſiedelung, ſcheint es mir aber ausgeſchloſſen, daß es gelingen würde, für Gießen ein zur Anlage von Rieſelfeldern geeignetes, genügend großes Terrain zu finden.

Was die Verfahren der chemiſchen Reinigung betrifft, ſo laſſen ſie noch ſehr viel zu wünſchen übrig, wie die Erfahrungen in Frankfurt a. M., Wiesbaden, Hom⸗ burg v. d. H. und Bad⸗Nauheim auch in unſerer Nachbarſchaft gezeigt haben. Vor allem kommt hier die große Schwierigkeit, den durch den Chemikalienzuſatz erzeugten Klärſchlamm loszuwerden, in Betracht, ganz abgeſehen davon, daß eine Entfernung der gelöſten organiſchen Stoffe aus den Schmutzwäſſern, trotz der Aufwendung er⸗ heblicher Geldmittel, doch höchſtens nur teilweiſe erreicht und auch die Infektions⸗ gefahr nicht völlig beſeitigt wird. Eins der beſten Verfahren iſt meiner Anſicht nach zur Zeit das Rothe⸗Degener'ſche, bei welchem die mit gepulvertem Torf oder Braunkohle und mit Eiſenſalzen verſetzten Abwäſſer durch ſogenannte aufſteigende Filtration gereinigt werden. Ich habe das Verfahren in Potsdam im Betriebe geſehen und mich dabei überzeugt, daß die Reinigung der Abwäſſer in der That eine ſehr vollſtändige iſt. Die Methode bietet daneben noch den großen Vorteil, daß der getrocknete Klärſchlamm brennbar iſt, und daß von der gefürchteten Schlamm⸗Kalamität alſo nicht die Rede ſein kann.

In hohem Maße hat neuerdings das ſogenannte biologiſche Verfahren die Aufmerkſamkeit auf ſich gelenkt. Dasſelbe ſpielt ſich in der Hauptſache folgender⸗ maßen ab: Aus Koksſtückchen bezw. aus Kies hergeſtellte Filter werden mit dem Schmutzwaſſer angefüllt, dabei lagern ſich die ſuſpendierten Schmutzteilchen ab, und es findet gleichzeitig unter Wirkung teils des im Filter vorhandenen Luftſauerſtoffs, teils der ebenfalls ſehr reichlich vorhandenen Bakterien eine kräftige Oxydation der organiſchen Subſtanzen ſtatt. Nach einigen Stunden wird das Waſſer gereinigt abgelaſſen. Das Filter, oder beſſer geſagt der Oxydationsraum, bedarf dann einer mehrſtündigen Ruhezeit, um ſich zu regenerieren, und kann nach dieſer Ruhe ſeine Thätigkeit von neuem beginnen. Das Vorhandenſein von mehreren Oxydations⸗ räumen ermöglicht dabei einen kontinuierlichen Betrieb. Ich habe dieſes Verfahren, über deſſen Einzelheiten ich hinweggehe, in Lichterfelde bei Berlin in einer täglich etwa 100 cbm Schmutzwaſſer klärenden Verſuchsanſtalt des Kultur-Ingenieurs Schweder in Betrieb geſehen und kann aus eigener Anſchauung den vortrefflichen Reinigungseffekt beſtätigen. Das Waſſer kommt völlig klar und geruchlos aus dem Ablauf heraus. Nach zahlreichen Verſuchen geht es auch eine nachträgliche Zerſetzung nicht mehr ein. In größerem Maßſtabe iſt das Verfahren ſeit einiger Zeit mit gutem Erfolge auf dem Lechfelde bei Augsburg in Betrieb. Aber auch hier handelt es ſich immerhin noch um verhältnißmäßig geringe Abwäſſer⸗Quantitäten, nämlich diejenigen aus einem Militärlager mit durchſchnittlich etwa 2000. Perſonen. Die Brauchbarkeit des Syſtems für eine Stadt von der Größe Gießens iſt alſo bisher nicht erwieſen. Dazu kommt, daß die Anlagekoſten jedenfalls recht erhebliche ſein würden.