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Innere Stadt(Altſtadt).
Der Bezirk innerhalb des Stadtringgrabens— kurzweg die„Altſtadt“— hat ſtärkeren Verkehr, dabei enge, winklige Straßen mit ſchwachen Gefällen; Teile derſelben liegen unter dem Hochwaſſerſpiegel der Lahn. Die Entwäſſerung dieſes Bezirks nach dem„Trennungsſyſtem“ erſcheint nach dem zu Projekt III Bemerkten nicht zu empfehlen. Die Frage, ob ſich das„ko mbinierte Syſtem“ dafür eignet, iſt wie folgt zu beantworten:
Die Altſtadt umfaßt ein Gebiet von 53 ha; ihre Bevölkerung beträgt zurzeit 10 300 Köpfe und ſoll mit künftig 13 250, d. i. 250 pro Hektar, angenommen werden. Bei einem Waſſerverbrauch von 120 l pro Kopf und Tag und der Annahme, daß das Stundenmaximum ½ des Tageskonſums beträgt, berechnet ſich die größte, in der Zeiteinheit abzuführende Schmutzwaſſermenge auf 0,8 1 pro Hektar, alſo für die Altſtadt auf 42,4 1 pro Sekunde. Bei einer künftigen Bevölkerung der ganzen Stadt von 50 000 Seelen würde die abzuführende Schmutzwaſſermenge immer erſt 160 1 pro Sekunde betragen, alſo nur rd. 120 l mehr. Dieſer Mehrabfluß könnte dem Siel der Altſtadt zugeführt werden, wenn man dasſelbe entſprechend vergrößert. Weit bedeutender iſt die abzuleitende Regenmenge.
Der dem Entwurf II zu Grunde gelegte Sturzregenabfluß von im Maximum 501 pro Hektar und Sekunde iſt zwar nicht näher begründet, ſoll aber bei dem der⸗ zeitigen Mangel an ausreichenden und zuverläſſigen Beobachtungen über das Ver⸗ hältnis des Abfluſſes zur fallenden Regenmenge beibehalten werden, da er innerhalb der üblichen Grenzwerte von c½ bis ½ der letzteren liegt und etwa ¼ beträgt. Die Verzögerung des Abfluſſes wächſt mit der Größe der zu entwäſſernden Fläche; ſeine Reduktion im Verhältnis zur vierten Wurzel aus der Fläche, wie dies zuerſt Bürkli und auch Lindley annehmen, erſcheint für die generelle Betrachtung angemeſſen. Danach berechnet ſich die bei Sturzregen aus der Altſtadt abzuführende Waſſermenge
auf A—= 53 50= 980,51 pro Sekunde. Dazu die oben berechneten 1601 Schmutz⸗
waſſer und Fäkalien von 50 000 Einwohnern ergibt rund 1140 l pro Sekunde, die insgeſamt abzuführen ſind. Die Ableitungsfähigkeit des in Projekt II dargeſtellten Hauptſiels I iſt 1350 l pro Sekunde. Dieſes Siel von 1,20 m auf 2,00 m Licht⸗ weite hätte alſo noch 210 1 Faſſungsvermögen für etwaige Regengüſſe, deren In⸗ tenſität größer oder deren Abfluß ſtärker iſt, als die der Berechnung zu Grunde gelegten. Ein ſolcher Sicherheitskosffizient von rund 21,4% iſt ſehr erwünſcht, da er die Möglichkeit des Rückſtaues nach den Kellerräumen faſt ausſchließt.
Hiermit iſt rechneriſch nachgewieſen, daß es möglich iſt, die Altſtadt ohne Notauslaß und unter gleichzeitiger Aufnahme des Schmutzwaſſers des ganzen Stadt⸗ gebietes nach dem„kombinierten Syſtem“ zu entwäſſern, wie dies auch Lindley mit ſeinem Hauptſiel I teilweiſe bezweckt.
Transport des Sielinhalts.
Sowohl beim kombinierten wie beim Trennungsſyſtem wird der Inhalt der Siele mit natürlichem Gefälle den Auslaßſtellen zugeführt, alſo ohne beſondere Koſten. Die Hilfe der Pumpen, d. i. maſchinelle Thätigkeit, wird nur in ſolchen Fällen be⸗ anſprucht, in welchen der Waſſerſtand der Lahn über den Waſſerſpiegel des Haupt⸗ auslaßſieles ſteigt und denſelben zurückſtaut. Nach Projekt II würde letzteres durch⸗ ſchnittlich etwa vier Monate im Jahr ſtattfinden. Der Betrieb der Pumpen wäre dabei kein ſtetiger, ſondern intermittierend, wie bei der jetzigen Pumpſtation auch.
Bei Anwendung des pneumatiſchen Syſtems von Shone wäre dagegen der maſchinelle Betrieb ein ſtetiger, denn es müßte der Inhalt der Siele das ganze Jahr hindurch Tag für Tag und Stunde für Stunde gehoben werden. Daß ein ſolcher Betrieb recht teuer iſt, bedarf wohl keines rechneriſchen Nachweiſes. Wenn das Shone'ſche Syſtem für Gießen überhaupt in Frage käme, ſo dürfte ſich ſeine An— wendbarkeit auf die tief und flach gelegene Altſtadt beſchränken. Es würden ſich hier aber die Bedenken wiederholen, die ſchon bezüglich des Projektes III geltend gemacht worden ſind. Auch beim„Shone⸗Syſtem“ ſind ſtellenweiſe doppelte Rohr⸗ anlagen erforderlich, zu welchen das Druckluftrohr hinzutritt. Da die Leitungen flach liegen, ſo würden ſie wenig oder gar keinen Einfluß auf die Senkung des Grund—


