Anlage III.
Auszug
aus dem Bericht des Civil⸗Ingenieurs Lindley in Frankfurt a. M.
betreffend
Entwäſſerung der Provinzialhauptſtadt Gießen, d. d. 25. März 1895.
Zweck der Entwäſſerung.
Die Aufgabe der Entwäſſerungsanlage iſt die Sammlung und Ableitung aller Schmutzwäſſer der Stadt(Hausabwäſſer und Induſtriewäſſer), die Aufnahme und Ableitung des Regenwaſſers, die Aufnahme und Regulierung des Grundwaſſers, ſowie die zweckmäßige Entwäſſerung der Stadt bei Hochwaſſer in der Lahn.
Das geringe Oberflächengefälle der Stadt macht die oberflächliche Ableitung des Regenwaſſers nach den einzelnen Bächen und Stadtgräben auf die Dauer un⸗ haltbar. Die Tiefenlage der Stadt gegenüber dem Hochwaſſer der Lahn macht die Sicherung der Stadtentwäſſerung auch bei Hochwaſſer zu einer der wichtigen Auf⸗ gaben der Entwäſſerungsanlage. Aus dieſem Grunde kann für Gießen die An⸗ wendung eines getrennten Syſtems für das Schmutzwaſſer und die getrennte Ab⸗ leitung des Regenwaſſers nicht in Betracht kommen. Es iſt deshalb das kombinierte Syſtem gewählt worden.
Die Frage, ob die menſchlichen Abgänge in die Kanäle eingeführt werden ſollen oder nicht, kann zunächſt unentſchieden bleiben. Ihre Menge iſt gegenüber den übrigen Abwäſſern ſo gering, daß ſie einen Einfluß auf die Dimenſionierung der Kanäle nicht ausübt, ebenſowenig auf die Spülkraft und auf die Konſtruktion. Hierüber erlaube ich mir im übrigen auf die Beantwortung der mir geſtellten Fragen am Schluſſe dieſes Berichts ergebenſt Bezug zu nehmen.
Bevölkerung. Die Bevölkerung der Stadt Gießen betrug: im Jahre 1840 7 209 5,„ 1870. 10 223 1890. 20 571
und kann jetzt mit rund 23 000 angenommen werden. Der Zuwachs iſt derart, daß die Bevölkerung vorausſichtlich im Verlaufe von 10—15 Jahren 30 000 erreichen dürfte.
Abflußmengen. a) Schmutzwaſſer.
Der Abfluß an Schmutzwaſſer iſt bei einer Bevölkerungsdichtigkeit von durch⸗ ſchnittlich 250 Einwohnern pro Hektar und einem Schmutzwaſſerabfluß von 120 Liter pro Kopf und Tag mit Rückſicht auf die Verteilung des Abfluſſes auf die verſchiedenen Tagesſtunden mit rund 0.5 Liter pro Hektar und Sekunde angenommen. Dieſe Schmutzwaſſermengen werden durch das Sielnetz geſammelt und nach der unteren Ausmündung geführt.
b) Dauerregen.
Für die Menge des Dauerregens, d. h. für diejenige Regenwaſſermenge, welche zuſätzlich zu dem vorerwähnten Schmutzwaſſer ebenfalls durch das Sielnetz geſammelt und nach der unteren Ausmündung ohne Inanſpruchnahme der Not⸗


