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Der Stein der Weisen und die "hermetische Gesellschaft" / von Hofrat Professor Dr. Richard Pribam †
Entstehung
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werden, daß, wenn es wirklich einen ſo gerühmten Stoff der Weiſen gibt, es kein anderer iſt als dergraue Mann (den ich Ihnen künftig nie mehr mit ſeinem gemeinen Namen nennen werde, damit kein anderer bei Anſicht unſerer Briefe ihn kenne). Prophetiſch klingen dirſe Worte, und wenn es auch nicht gelang, aus der Steinkohle direkt Gold zu holen, wurden Kortums Vorausſagungen etwa hundert Jahre ſpäter inſofern beſtätigt, als der Steinkohlenteer das Ausgangsmaterial für die Schaffung mächtiger Indu⸗ ſtrien durch Gewinnung der herrlichſten, mannigfachſten Farbſtoffe, vieler Arzneimittel und anderer wichtiger chemiſcher Hilfsſtoffe bildete, die alle Quellen des Reichtums wurden. Dieſe Erfolge haben ſchon 34 Jahren dazu geführt, die Studien über die Verwendbarkeit der Kohle in den Vordergrund des Intereſſes zu rücken, und die letzten Ergebniſſe über die Verflüſſigung der Kohle er⸗ öffneten Ausſichten, deren Bedeutung heute kaum noch voll⸗

kommen zu überſehen iſt. Man hann wohl ſagen, daß der

Dichter Kortum, als er, getrieben von dem Beſtreben, ſich

bei dem Verlaſſen der herpetiſchen Geſellſchaft einen guten

Abgang zu ſichern, vielleicht unbewußt einen ſcharfen Blich bewies.

Leider war Bährens nicht der Mann, die ihm gegebenen Anregungen in ſachgemäßer Weiſe zu verfolgen. Er mag auch ſeine Unfähigkeit gefühlt haben, denn als ſich Kortum im

Jahre 1805 von der Geſellſchaft vollſtändig zurückzog, verband zer ſich mit dem ihm von dieſem empfohlenen Baron Stern⸗ hayn in Karlsruhe, der ſich aber bald als Abenteurer entpuppte. Immer mehr häuften ſich nun die Angriffe gegen die hermetiſche Geſellſchaft, in der Sternhayn ſein Unweſen trieb, während Bährens das Anſehen, das er ſich verſchafft

hatte, nicht durch ernſte Arbeit ſtützte, ſondern zur Befriedigung ſeines Ehrgeizes ausnützte. Allmählich erlahmte denn auch in

weiteren Kreiſen das Intereſſe an der angeblichen Tätigkeit der immer noch nur aus zwer Männern beſtehenden Geſell⸗ ſchaft, aber die Spuren derſelben laſſen ſich doch bis in das Jahr 1819 verfolgen. Inzwiſchen hatten aber ernſte Forſcher ſich von dem Wuſt geheimnisvoller Andeutungen, von denen die alchimiſtiſchen Schriften wimmelten, befreit, und die Chemie entwickelte ſich auf Grund wohldurchdachter Verſuche, die durch immer mehr verbeſſerte Methoden kontrolliert wurden, zu einer wirklichen Wiſſenſchaft.

Das Problem der Umwandlung der Ele⸗ mente im Lichte der Wiſſenſchaft.

Es iſt in dem Rahmen dieſes Artikels ſelbſtverſtändlich nicht möglich, die rapide Entwicklung der Chemie zu ver⸗ folgen, welche vornehmlich auch durch die Einführung eines ſyſtematiſchen Unterrichtes in dieſer Wiſſenſchaft angebahnt wurde, die wir dem Eingreifen Juſtus Liebigs verdanken. Die Namen Liebig, Wöhler, Berzelius, Bunſen, denen ſich viele andere geſellen, bezeichnen eine Epoche ſtrenger, kritiſcher und fruchwarer Arbeit, gegen welche ber unklaren Phan⸗

taſtereien der Alchimiſten dürlhtieien mußten. In neueſter

Zeil ſind jedoch durch die Entdechung des Radiums und durch die Feſtſtellung des Zerfalles mancher Elemente ganz neue Geſichtspunkte in Vorſchein gebommen. Das Streben ging nun dahin, den ſpontanen Fferfanl einzelner Elemente auch künſtlich herbeizuführen, und die Zer⸗ trümmerung von Atomen, die zuerſt Rutherford gelang,

war geeignet, Fragen, deren Löſung man als unmöglich!