Aengſtlich waren die beiden Gründer immer bemüht, perſönliche Begegnungen mit den Briefſchreibern zu ver⸗ meiden und demgemäß wurden auch keine wirklichen Mit⸗ glieder aufgenommen, wohl aber zur beſonderen Aneiferung Ehrenmitglieder ernannt, die künſtleriſch aus⸗ geführte Diplome erhielten. Dieſe Diplome befanden ſich in einem Umſchlag mit chineſiſchen Charakteren und es war
auch eine kleine Wünſchelrute beigefügt. Der. Ernennung von Ehrenmitgliedern war offenbar, dadurch der Geſellſchaft einen gewiſſen Aufſchwung zu geben, eine Hoffnung, die ſich jedoch nur teilweiſe erfüllte. Manche, denen es gelungen war, ein ſolches Diplom zu erlangen, fühllen ſich zwar ſehr geehrt und waren ſtolz, von einer ſolchen angeſehenen Geſellſchaft Anerkennung ihrer Bemühungen erhalten zu haben, aber die Mehrzahl wollte doch prahktiſche Ratſchläge haben, und ſo flaute das Intereſſe immer mehr ab.
Der„graue Mann“.
Als nun auch Bährens, der ſich immer mehr in den Gedanken der Möglichkeit der Gewinnung des Steines der Weiſen verbiſſen hatte, Unterſtützung ſeiner Verſuche verlangte, kam Kortum ins Gedränge und entſchloß ſich, ſeinen Rückzug vorzubereiten. Zunächſt ſuchſe er ſeinen Freund Bährens zu beruhigen, in⸗ dem er ihm in einem ausführlichen Briefe ſeine Anſichten darlegte, die er ſich auf Grund eingehender Studien der alchimiſtiſchen Schriften gebildet hatte, von denen er eine ſehr große Anzahl über den Stein der Weiſen und die prima Materia beſaß. Am Schluſſe dieſes Briefes, der ſich im Beſitze der Gießener Univerſitätsbibliothek befindet, heißt es unter anderm:„In den Ausflüſſen der Ge⸗ ſtirne ſteckt alſo nach der Meinung der Alchimiſten der erſte Same aller Dinge, folglich auch des Goldes, und weil er aus der Luft auf die Erde und in die Erde kommt, folglich ſowohl in der Luft als in der Erde anzutreffen iſt, ſo wäre der Spruch des Hermes in der Tabula smaragdina erklärhar:„was unten iſt, iſt dem gleich, was
obeniſt“ uſw. Wie iſt aber der entfernte Stoff zum Stein
der Weiſen zu bekommen? Ihn aus der Luft zu fangen, ihn aus den Körpern hinreichend zu erhalten, das iſt müh⸗ ſam. Näher hat man ihn in der Erde, wo er ſich hinein⸗ gezogen hat. Er ſteckt in allen Salzen, in allen Mineralien, in allen Metallen, bald häufiger, bald weniger. Darum iſt es möglich, daß man den Stein der Weiſen in vielen Sachen finden könne. Ich finde aber bei genauer Vergleichung der alchimiſtiſchen Schriftſteller, daß ſie behaupten, es ſei in der Erde eine Art von Magnet befindlich, welcher denſelben reichlich an ſich ziehet und feſthält, woraus dann der Stein der Weiſen am nächſten und beſten bereitet werden kann. Dieſes iſt gerade das Ding, in welches ſie einen ſo hohen Wert ſetzen, welches ſie ſo rätfelhaft beſchreiben und worauf alles paßt, was ſie vom Subjehte des Steines der Weiſen
ſagen. Es iſt die„Steinkohle“. Das hatten Sie wohl
nicht gedacht, lieber Freund! Aber verſuchen Sie es einmal, ob nicht alles, was die Alchimiſten von dem nächſten Stoffe des Steines der Weiſen ſagen, darauf paſſe.“
Noch ein zweitesmal kommt er auf die Kohle zu Prechen⸗ denn ein Brief vom Auguſt 1795 enthält die Stelle:„Sie werden täglich mehr darin beſtärkt
Zweck der


