hervor. Eine Geſellſchaft, wie es ſchien, aus hervorragenden
Alchimiſten beſtehend, trat hier öffentlich auf und wollte.
wie ſie in Ausſicht ſtellte, in uneigennütziger Weiſe denen, die den Stein der Weiſen ſuchten, behilflich ſein, den richtigen
Weg zu finden. Der Name hermetiſche Geſellſchaft war zudem
glücklich gewählt, denn er umfaßte alles, was einem Alchimiſten geheimnisvoll und ehrwürdig erſchien. Verehrte
man doch in Hermes Trismegiſtos, dem Stamm⸗
vater der Alchimie, den Verfaſſer jenes angeblich älteſten,
geheimnisvollen alchimiſtiſchen Schriftſtückes, der Tabula
smaragdina. Der Dichter der Fobſiade und ſein Ulh.
Bald liefen Briefe aus ganz Deutſchland ein und man konnte daraus erſehen, daß die Alchimie damals noch in allen Kreiſen der Geſellſchaft zahlreiche Anhänger hatte. Da
kamen Briefe von penſionierten Offizieren, die zugleich
beſiegelte Ehrenwortſcheine mitſandten, daß ſie das
Geheimnis des Steines der Weiſen, das ſie umgehend mit⸗ geteilt zu erhalten hofften, nicht verraten wollten; es kamen Briefe von Leibärzten deutſcher Fürſten, von geheimen Kriegsräten, Apothekergehilfen, Regiſtratoren, evangeliſchen Geiſtlichen, katholiſchen Kaplanen, von Dorfſchulmeiſtern, Organiſten, Schuſtern, Schneidern, Schloſſern, Uhrmachern, Perückenmachern, Buchbindern, auch eine Witwe aus Ulm und ein Chirurg und Moucheur waren darunter, kurz Leute ſjeglichen Standes. Der berühmte Heidelberger Forſcher Profeſſor Hermann Kopp hat in ſeiner Geſchichte der
Alchimie ausführlich über die Tätigkeit der hermetiſchen
Geſellſchaft berichtet, derſelben aber, wie es ſcheint, eine du hohe Bedeutung beigemeſſen. Es hat ſich herausgeſtellt, worauf auch ſchon Kelſen und Ernſt Schultze hinwieſen, daß der Gründer der Geſellſchaft, der humorvolle Dichter der in weiten Kreiſen bekannten Jobſiade, der Bochumer Arzt Dr. Kortum war. Da ihm die Führung der immer mehr anſchwellenden Korreſpondenz läſtig wurde, ſo verband er
ſich mit ſeinem Freunde, dem Paſtor Dr. Friedrich Bährens,
ſchaft Mark. Kortum ſcheint von Anfang die ganze Angelegen⸗
heit als Scherz behandelt und es nur auf eine Myſti⸗ fihation abgeſehen zu haben. Der Glaube an die wirkliche Exiſtenz eines großen Vereines war immerhin ſo bedeutend, daß ſich in Königsberg, Karlsruhe und an anderen Orten
Prediger und Rehtor zu Schwerte in der preußiſchen Graf⸗
Ortsgruppen der hermetiſchen Geſellſchaft bildeten. Am
lebhafteſten ging die Korreſpondenz in den Jahren 1796 bis 1804 und in der ganzen Zeit wußten die beiden Gründer
und einzigen Mitglieder den Schein zu wahren, als ob die Antworten von einer großen Geſellſchaft heruibrien. Wie weit die Kühnheit der beiden ging, zeigt der Umſtand, daß ſie ſogar ein„hermetiſches Journal“ gründeten, das merkwürdigerweiſe Verbreitung fand. Es iſt ergötzlich, nicht nur die zahlreichen eingelaufenen Briefe, ſondern auch
zumeiſt von Kortum herrührenden Antworten zu leſen, deren humoriſtiſche Note von den Empfängern jedoch kaum richtig
herausgefühlt wurde. Viele Briefe tragen die Rond⸗ bemerkung:„Palliativiſch beantwortet.“ Kor⸗
tum trieb den Spott ſo weit, daß er in dem hermetiſchen
Journal einen Artikel veröffentlichte, der in ſeinem Titel in ganz auffallender Weiſe an den Helden der Jobſiade ,... 3; crinnert:„Joſua Jobs an die Wanderer im Tale Joſaphat...⸗.


