Der Stein der Weisen und die
„hermellsche Gesellschaft“.
Von Hofral Profeſſor Dr. Richard Pribram †.
Der folgende Artikel, der ein höchſt intereſſantes Licht auf die Geheimgeſellſchaften der abenteuernden Alchimiſten wirft, iſt eine der letzten Arbeiten des bekannten Liebig⸗ Schülers.
In dankbarer Erinnerung an die Zeit, wo es mir ver⸗ gönnt war, in München in dem Laboratorium meines ver⸗ ehrten Lehrers Juſtus v. Liebig zu arbeiten, benützte ich eine zufällige Anweſenheit in Gießen, um den Spuren dieſes genialen Forſchers während ſeiner Tätigkeit an dieſer Uni⸗ verſität nachzugehen. 1
In Gießen hatte ja Liebig, kaum 25 Jahre alt, ſeine
Fiſ berlanfbahn begonnen, dort wurde das erſte chemiſche Unterrichtslaboratorium gegründet, wurden die Grundlagen
für einen rationellen Unterricht in der Chemie geſchaffen, und von dort gingen die bedeutungsvollen Arbeiten aus, welche die gewaltige und raſche Entwicklung chemiſcher Forſchung Venbafichten Vor Liebigs Zeit trieben noch vielfach allerlei Abenteurer ihr Unweſen, welche die ernſten, jedoch ſtreng wiſſenſchaftliche Grundlage entbehrenden Studien der eigentlichen Alchimiſten für ihre unſauberen Zweche ausnützten. Wie feſt gewurzelt noch knapp vor Liebigs Auf⸗ treten der Glaube an die Metallverwandlung war, e das Hauptziel alchimiſtiſcher Verſuche bildete, geht aus der Ge⸗ ſchichte der„hermetiſchen Geſellſchaft“ hervor, deren Protokolle mir bei der Durchſtöberung alter Akten in der Univerſitätsbibliothek in Gießen in die Hände fielen. Sie werden als großer Schatz in der Bibliothek gehütet, und ich möchte nicht unterlaſſen, dem Direktor derſelben, Herrn Profeſſor Dr. Ebel, für die Ermöglichung der Einſichtnahme beſtens zu danben.
Infolge einer falſchen dhrne der neueſten ge⸗
waltigen Errungenſchaften der Chemie begegnet man gegen⸗ wärtig in Lrieälareiſen oft der Neigung, an die unwiſſen⸗ ſchaftlichen Träume der alten Alchimiſten anzuknüpfen, und hmüt, die Ziele derſelben, unedle Metalle direkt in edle zu verwandeln, den ſogenannten Stein der Weiſen zu finden, in greifbare Nähe gerückt zu ſehen. Da erſcheint es vielleicht nicht unintereſſant, auf die Beſtrebungen der erwähnten hermetiſchen Gejellſchoft hinzuweiſen, welche, wie aus einem Aufruf in Nr. 23 des„Räichsanzeiger⸗ vom 8. Oktober 1796, p. 6093, hervorgeht, ſich die Aufgabe geſtellt hatte, „alle auf alchimiſtiſche Studien bezüglichen Verſuche zu prüfen, alles Wortgepränge auszuſchalten und die reine Wahrheit zu ſuchen und zu verbreiten“. In neun Haupt⸗ rundſätzen wurde die Möglichkeit der Veredlung der Nete le in Silber und Gold erörtert und in großen Tönen denjenigen, welch⸗ ſich mit den einſchlägigen Fragen beſchäftigen und der Geſellſchaft ihre Erfahrungen mitteilen, vorſprnchen, ihnen mit Rat und Tat bei ihren Verſuchen beizuſtehen. Dieſer Aufſatz rief große Auftegung


