Studentenſchaft in der Frühzeit der Univerlität Gießen. 65
Herkunftsſtatiſtik.
Eulenburg erklärti, die Univerſität Gießen habe im 17. Jahrhundert vorwiegend den Landeskindern, welche das Gymnaſium beluchten, zur Weiterbildung gedient. Er be- zeichnete nicht nur M. Biermers Angabe über die Frequenz- ziffer als falſch, londern auch die Meinung, daß die meiſten Studenten aus der Fremde ſtammten, und fügt entrültet hinzu:„Es ilt auffällig wie B. jetzt noch diele Meinung vertreten kann, zumal ein Teil der gedruckten Matrikel bereits vorliegt“. Biermers Aeußerung hatte beſagt, daß neun Zehntel der Studenten keine hefſilchen Landeskinder waren und zum Teil weither, aus den Oſtleeländern, Däne— mark ulw. kamen. Diele Angabe beruht offenbar auf einer Bemerkung von mir; ich füge hinzu, daß Biermer und ich, wie der Zulſammenhang deutlich zeigt, den Zeitraum 1607 bis 1624 im Auge gehabt haben. Eulenburgs Bemerkung war mir äußerſt überraſchend. Im folgenden gebe ich nun die Reſultate meiner Zählung.
Abgezogen wurden dabei diejenigen Namen, deren Herkunft gar nicht oder nicht mit einiger Sicherheit örtlich feſtzuſtellen war. Die Adligen, bei denen die Herkunfts- angabe in der Matrikel oft fehlte, ſind der Gegend zu- gerechnet, wo das betreffende Geſchlecht hauptſächlich ſeinen Sitz hatte.
Die Einteilung ilt nun in der Weiſe vorgenommen, daß lechs Gruppen von Territorien gebildet wurden, die im großen und ganzen konzentriſche Ringe um Gießen bilden. Der innerfte„Kreis“— der Ausdruck lei hier geſtattet,— ilt von dem Hellen-Darmſtadt jener Zeit gebildet, als dem gegebenen Rekrutierungsbezirk der Studentenſchaft. Um ihn ſchließt ſich Heſſen-Kaſſel(obgleich dort der Beſuch von Gießen zeitweiſe obrigkeitlich verboten war), wozu ich noch die Grafſchaft Waldeck und das Fürftentum Hersfeld rechnete, nebſt den Wetterauiſchen Territorien und Naſlau(ohne N.- Saarbrücken). An dritter Stelle ſind die Studenten aus Franken, Weltfalen(nebſt Lippe, Mark, Berg uſw.), Thüringen, der Pfalz mit den Territorien des Molellandes, den Mainziſchen
1 S. 90.
² Ebenda Anmerkung 2.
3 Bei Lexis a. a. O. S. 563. 4 Mitteilungen des Oberhefſiſchen Geſchichtsvereins XI, 61.


