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Stärke und Zusammensetzung der Studentenschaft in der Frühzeit der Universität Giessen (1607-1624) / Wilhelm Martin Becker
Entstehung
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66 Wilhelm Martin Becker

und Wormſiſchen Gebieten am Rhein gezählt; an vierter die aus den Braunſchweigiſchen Landen, den Territorien der Harzgegend, Kurſachlen, Magdeburg, dann auch Schwaben (Württemberg, Reichsltädte, Neuburg, Baden) und Elſaß. Der fünfte Kreis berührt die Peripherie der deutſchen Wohnſitze: Nordſee- und Oſtſeeſtaaten, Brandenburg, Böhmen mit Schleſien und Lauſitz, Bayern, Oeſterreich. Hieran ſchließen ſich an ſechfter Stelle die außerdeutſchen Gebiete. So ergab ſich nebenſtehende Tabelle.

Die Tabelle zeigt ſofort die Richtigkeit der Behauptung, wonach nur ein kleiner Teil der Immatrikulierten Landes- kinder waren, nämlichw unter den Studenten 2,4 v. H. Hierzu kamen noch die zum Studium übergegangenen Schüler. Wären ſelblt alle Schüler Studenten geworden, ſo betrüge der Anteil der Hefſen-Darmſtädter nur 9,6 v. H., in Wahrheit haben wir aber, wie oben gezeigt, nur einen Teil der Schüler aus Hefſen ſpäter unter den Studenten zu ver- rechnen, wodurch lich der Anteil der Landeskinder noch vermindert.

In den Zahlen kommt im übrigen belonders die An ziehungskraft der lutheriſchen Univerſität Gießen auf die Studenten aus lutheriſchen Ländern zum Ausdruck. Die Hefſen-Kafleler ſind in erſter Linie lutherilche Oberhelſen aus dem Kafſeler Anteil(Marburg). Die hohe Ziffer der Studenten aus wefſtfäliſchen Landen kommt wohl auf Rech- nung des Umſtandes, daß für die dortigen Lutheraner Gießen neben Helmſtedt die nächſtgelegene Univerſität ihres Glaubens war. Auch den Franken ſcheint Gießen gelegener gewelen zu ſein als jena und als Volluniverſität angenehmer als Altdorf, wo man nur die philoſophilchen Grade erhalten konnte. Für die lutherilchen Pfälzer kam Heidelberg wegen ſeines Kalvinismus nicht ſowohl in Betracht als Straßburg, aber auch dort fehlte es an den höheren Privilegien. Die lutheriſchen Pfälzer werden ſich daher in der Hauptlache auf Tübingen und Gießen verteilt haben. Dieſen Gebieten gegenüber tritt in unſerer Zulammenſtellung Thüringen des- halb ſo ſtark zurück, weil es durch jena(und Erfurt) gut genug verlorgt war und dorthin die große Anziehungskraft der kurſächlilchen Univerlitäten Leipzeig und Wittenberg wirkte. So kommt es auch, daß Kurſachſen im Verhältnis zu leiner Größe(nebſt Magdeburg) gering vertreten ilt. Etwas ſtärker treten die Schwaben auf; wahrſcheinlich ilt dies eine Wirkung der üblichen peregrinatio academica: