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Stärke und Zusammensetzung der Studentenschaft in der Frühzeit der Universität Giessen (1607-1624) / Wilhelm Martin Becker
Entstehung
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62 Wilhelm Martin Becker

allo: Wieviele von den ins Pädagog aufgenommenen Schülern haben ſpäter auch die akademiſchen Vorlelungen gehört? Beltimmt können wir dies nicht ſagen. Aber folgender Ge- danke dient vielleicht zur Veranlchaulichung. Wir finden, daß unter den als academici Eingeſchriebenen nur eine ver ſchwindend kleine Zahl Landeskinder, Heſlſen-Darmſtädter, lich befinden, 1608 1611 lind es 15 unter 672 Immatriku- lierten, bezw. unter 644 ihrer Herkunft nach Beſtimmten, d. h. weniger als 2 ¾ v. H.: das Gegenteil zeigt ſich bei der Pädagogmatrikel, unter den 1608 1611 aufgenommenen 177 Schülern, wovon 173 beltimmbar, finden wir 60 Landes- kinder, d. h. 35 v. H. Aus der Wetterau wurden ungefähr ebenſo viele als Schüler wie als Studenten eingeſchrieben. je weiter wir uns von Gießßen entfernen, deſto mehr über- wiegen im allgemeinen die academici der betreffenden Gegend über die pädagogicit. Die Anziehungskraft der Uni- verſität Gießen ging mehr ins Weite, die des Pädagogs Ichon mit Rücklicht auf die Konkurrenz ähnlicher Schulen in der Nähe, erſtreckte lich auf einen kleineren Kreis. Wer nun aus der Ferne ſeinen Sohn auf das Gießener Pädagog ſchickte, tat dies gewiß nichtnum des guten Schul- unterrichts halber, ſondern um ihn ſchon als Knaben in die Kreiſe einzuführen, in denen er ſeine Studien fortführen follte. Anders lag es zum Teil bei den Landeskindern. Von ihnen wird mindeſtens ein großer Teil der geborenen Gießener und ein Teil der Nächſtwohnenden das Pädagog nur belucht haben, um eine gute Schulbildung zu genießen, ohne die Abſicht akademiſcher Studien. Aber ſchon die wenigweiter entfernt Wohnenden hätten auf eigenen Triviallchulen genügende Ausbildung finden können, wenn ſie nicht die Zulalfung zur Univerſität erftrebt hätten, die ihnen in Heſſen- Darmitadt damals nur Gießen geben konnte.

Um vorſichtig zu lein, möchte ich annehmen, daß ein Drittel oder die Hälfte der Pädagogſchüler zur Hochſchule übergegangen ſeienz. So erhalten wir(unter der Annahme, daß vor 1608 die Pädagogimmatrikulation ebenſo ſtark gewelen lei wie 1608 1611³):

1 Vgl. die im folgenden Abſchnitt gegebene Tabelle.

2 EFulenburg nimmt S. 35 für Dillingen%¼ der Gymnaſialſchüler als ſpätere Studenten an.

3 Bei der Eröffnung des akademilchen Gymnaſiums 1605 waren unter den 200 Scholaren 70 Pädagogſchüler(Mitteilungen des Ober- hefſiſchen Geſchichtsvereins XI, 59); die Schüler der erſten Jahre traten dann 1608 11 nach und nach zur Univerlität über.