Studentenſchaft in der Frühzeit der Univerlität Gießen. 61
werden vielleicht auch noch ſtudiert haben, wie wir auch unter den Pädagogſchülern von 1614 einen als famulus bezeichnet finden. Solche Beiſpiele wiederholen lich(1608 Nr. 139, 141); die beiden holſteinilchen Prinzen Johann Georg und Joachim Ernſt, die im Dezember 1608 imma— trikuliert wurden, ließen gleich ihren Hofmeiſter, ihren Präzeptor und ihre zwei famuli mit einſchreiben. Hier und da wurden auch auslſtudierte Herren in die Matrikel ein- getragen, namentlich lolche, die den Doktorgrad erwerben wollten(vgl. 1610 Nr. 68, 1614 Nr. 60). Andere Inſkriptionen geſchahen wohl honoris cauſa. Auch einige wiederholte Inſkriptionen liegen vor(z. B. 1614 Nr. 22; 1610 Nr. 99 vgl. 1609 Nr. 107). So finden wir, wenn wir die LZiffer der neuangekommenen Studenten ermitteln wollen, hie und da einen Ueberſchuß an Namen, müßten allſo einen kleinen Abzug machen. Aber dieſer Fehler, der bei der Frequenz- berechnung ins Gewicht fallen könnte, wird dadurch reichlich wieder aufgewogeni, daß es eine Menge Studenten gab, die die Inſkription Ichwänzten, d. h. die ſich ihr entzogen, um die Einſchreibungsgebühr zu ſparen.
Noch wichtiger iſt die Frage, inwieweit wir die Imma— trikulationsziffer des Pädagogiums berückſichtigen müſſen. Da die Immatrikulation der Schüler beim Uebergang zur Univerlſität nicht wiederholt wurde, Io würden wir durch ihre Vernachläſſigung zu fehlerhaften Ergebniſlen kommens. Die Pädagogmatrikel muß allo berückſichtigt werden; aber wie? Volle Hinzurechnung hätte in gewiller Hinſicht ihre Berechtigung: wenn man nämlich einen Vergleich der Frequenz um 1600 mit der Beſucherzahl der mittelalterlichen Univer- ſitäten beabſichtigt, lo würde man den Umſtand beachten müllen, daß jene Univerſitäten Mitglieder von Knaben bis zum gereiften Mann umfaßten, daß ſie allo im Sinne der Zeit um 1600 paedagogici und academici vereinigten. Aber wenn wir unſere Hochſchule in der Reihe der gleichzeitigen Univerſitäten betrachten, ſo muß es uns darauf ankommen, die Zahl der wirklichen Studenten zu ermitteln. Es fragt lich
1 Vgl. Eulenburg S. 22. 2 Vgl. Mitteilungen des Oberhefſiſchen Geſchichtsvereins XI, 62.
3 Vgl. Schröder S. 266; Eulenburg hat die Schülerlifte, die für Marburg leit 1569 von der Matrikel geſondert vorkommt, nicht berück- ſichtigt. Die Folge iſt, daß er von dieſer Zeit an einen ſtarken Rück- gang der Frequenz findet, der nicht in den Tatſachen begründet iſt (Tabelle S. 100 und 102).


