Druckschrift 
Stärke und Zusammensetzung der Studentenschaft in der Frühzeit der Universität Giessen (1607-1624) / Wilhelm Martin Becker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Studentenſchaft in der Frühzeit der Univerſität Gießen. 59

aus der Frühzeit vor der Ueberſiedlung nach Marburg davon erhalten ilt, ſtellt kein Ganzes vor. Das Matrikelbuch jener Zeit iſt verloren. Vorhanden ſind Konzepte der Rektoren für die Eintragung in dieles Buch und Abſchriften der Jahresliften, die als Berichte an den Hof geſchickt worden ſind; auch dieſe erſt leit wenigen Jahren bekannt. Denn als E. Klewitz und K. Ebel ſchon mit dem Abdruck der Matrikel von 1650 ab(zuerſt in den Mitteilungen des Ober- heflilchen Geſchichtsvereins) begonnen hatten, fanden ſich Reſte im Univerſitätsarchiv und wurde dann dem bis 1707 geführten Abdruck als Nachtrag beigegebeni. Sie enthielten fünf Jahrgänge der Matrikel, 1608 bis 1611 und 1614. Auch im Großh. Staatsarchiv zu Darmitadt fanden ſich leitdem entſprechende Aufzeichnungen, die teils Kopien der Gießener darftellen, teils aber auch Abweichungen und Zuſätze enthalten. Einen größeren Zuſatz?, die Pädagogmatrikel von 1610, die in Gießen fehlte, gebe ich im Anhang dieler Abhandlung. Zugefügt habe ich dort auch einige Stücke, die für die Kenntnis des Univerſitätsbeluchs in einzelnen Jahren unſerer Periode von Wichtigkeit ſind; ein Verzeichnis der im Jahre 1617 in Gießen ſtudierenden Adligens, die ſechzig Unterſchriften unter einer Petition der Studenten an Landgraf Ludwig, von 1618, und das Verzeichnis der ſtudentiſchen Tilch- geſelllchaften, ebenfalls aus dem Jahre 16185.

Unſere Matrikeljahrgänge beſtehen ſämtlich aus je zwei Lilten: dem Verzeichnis der im Laufe des Jahres inſkribierten Studenten und dem der ins Pädagogium aufgenommenen Schüler. Dies letztere wurde ſtatutengemäßé vom Päda- gogiarchen geführt und am Ende des Jahres dem Rektor der Univerſität übergeben, damit dieſer die Namen in die Matrikel einzeichne. Diele anſcheinend befremdliche Ein- ſchreibung von Schülern in die akademilche Matrikel hatte ihren Grund in der engen Zuſammengehörigkeit von Uni- verſität und Pädagogium; beide bilden ein Ganzes, und in

1 Die Matrikel der Univerſität Gießen 1608 1707, herausgegeben von E. Klewitz und K. Ebel, Gießen 1898, S. 170 ff.

2 Staatsarchiv, Landesuniverſität Conv. 2. Von Mentzers Hand.

3 Staatsarchiv, Landesuniverſität Conv. 6.

4 Ebenda. Vgl. Mitteilungen des Oberheflſilchen Geſchichts- vereins Xl, 73.

5 Ebenda.

6 Waſſerlchleben, die älteften Privilegien und Statuten der Ludoviciana(1881) S. 21.