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12.
1. Wir lugen hinaus in die ſonnige Welt allzeit mit lachen⸗ den Augen; des fahrenden Volkes durſtigem Schlag mag Frohes und Freies nur taugen. Wir wandern und ſingen, und naht das Glück, ſo packen wir's hurtig beim Kragen, und trinken den Wein und küſſen die Maid und laſſen den Eulen das Klagen.
2. Die Schriften der Alten ſtudierten wir gut: Sie haben ins Schwarze getroffen, Anakreon und Horatius, die größten der Philoſophen. Drum, Alter, laß ab von ſcheltendem Tun, und denke der Söhne, der lieben, und denke der Zeit, wo du vor⸗ einſt vielleicht es noch ärger getrieben!
3. Ein Weilchen nur währt's, ſind Saus und Braus vom Strudel des Lebens verſchlungen: die tobenden Wogen der Ju⸗ gendluſt, die himmelan jauchzend geſprungen. Philiſter heißt man und alles iſt aus; und die am tollſten gewettert, ſind ſtill und ſtumm, die Lieder vertönt, die Becher der Freude zer⸗ ſchmettert.
4. Drum heiſa, hallo und drein gehaut! Zum Teufel mit Kummer und Sorgen! Laßt kreiſen das Horn, bis Hahnenſchrei verkündet den kommenden Morgen. Zum Trübſalblaſen kom⸗ men wir noch, wallt Blondhaar ſilbern dem Greiſe: Es lebe die ſelige Jugendzeit, Holdlieb und die launige Weiſe!
G. H. Bienert.
13.
1. Es war ein Knab gezogen wohl in die Welt hinaus, war ihm ſein Lieb auch gewogen, das Glück, das Glück blieb aus. Und er wanderte weit zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn.
2. Wärſt nicht ſo hoch geboren und ich ein armer Knab', die Lieb, die Lieb iſt verloren, die Welt iſt öd' wie ein Grab. Und ſo wandre ich weit zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn.
3. Das Mägdlein barg ſein Klagen daheim im Kämmer⸗ lein, ſie durft's ja niemand ſagen und hofft jahraus, jahrein. Schaut über die Heide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn.


