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Fünfzigstes Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia : 26. Juli 1912 : Lieder
Entstehung
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10.

1. Was die Welt morgen bringt, ob ſie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud? Komme, was kommen mag, Sonnenſchein, Wetterſchlag, morgen iſt auch ein Tag, heute iſt heut!

2. Wenn's dem Geſchick gefällt, ſind wir in alle Welt morgen zerſtreut! Drum laßt uns luſtig ſein! Wirt roll das Faß herein! Mädel, ſchenk ein! ſchenk ein! Heute iſt heut!

3. Ob ihren Roſenmund morgen ſchon Hildegund anderen beut danach ich nimmer frag', das ſchafft mir keine Plag, wenn ſie mich heut nur mag heute iſt heut!

4. Brüder, ſtoßt an und ſingt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiß, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt! Wenn ſie nur heut noch hält! Heute iſt heut!

Rud. Baumbach. 1882.

11.

1. Beim Roſenwirt am Grabentor des Abends um halb ſechs den Hammer ſchwingt der Wirt empor und ſchlägt den Zapfen ex! Das ſchlurrt und glurrt aus feuchter Nacht vom Spundloch in die Kann, ei ſeht, wie's Antlitz jedem lacht, jedwedem Zechersmann: Bierlein, rinn! Was nutzen mir die Kreuzerlein, wenn ich geſtorben bin!

2. Beim Roſenwirt im Stübel drin, da ſitzt ein junges Blut, die ſchmucke, ſchlanke Kellnerin war ihm noch geſtern gut. Doch heute iſt ſie durchgebrannt, fahr wohl, du falſche Hex! Der Burſch kehrt ſein Geſicht zur Wand und ſummt um halber ſechs:Bierlein, rinn ꝛc.

3. Beim Roſenwirt am Eichentiſch, da thront ein braver Greis, die Wangen rot, die Augen friſch, die Haare ſilberweiß! Schlug ihm gleich manchen großen Plan das Schickſal ſchnöd entzwei um halber ſechs ſchlägt auch wer an, der Alte brummt dabei:Bierlein, rinn ꝛc.

4. Beim Roſenwirt am Grabentor, da blüht ein fein Ge⸗ wächs, das heben wir im Glas empor ſchon abends um halb ſechs. Wir heben es gar emſig hoch, wir leeren's auf den Grund um Mitternacht da klingt es noch, ſchallt's noch von Mund zu Mund:Bierlein, rinn ꝛc.

Jul. Rolff