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Fünfzigstes Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia : 26. Juli 1912 : Lieder
Entstehung
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4. Ein Reiter kam gezogen, hell flattert ſein Haar im Wind, ſag, biſt du mir noch gewogen, herzallerliebſtes Kind? Und da lachten ſie beide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn.

5. Er hielt ſie in den Armen, ſein Herz vor Freude ſchlug, und hat die Welt kein Erbarmen, die Lieb iſt ſtark genug. Und da küßten ſich beide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn.

14.

1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holde Maid zu tief ins Aug ge⸗ blickt. Doch als er ihr die Lieb geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und Geld; wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Alſo ſaß und vergaß er in der Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

3. Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen ſchlecht; ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt er ſich im Wirtshaus vor

der Burg; was in der Woche er verdient, bracht er am Sonntag

durch. Und dann ſaß und vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz ꝛc.

4. Und die euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort; zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr; da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär. Und man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Rhein allen Schmerz ec.

Bloch. Benda.

15.

1. Kommt, Brüder, trinket froh mit mir, ſeht wie die Becher ſchäumen! Bei vollen Gläſern wollen wir ein Stündchen ſchön verträumen! Das Auge flammt, die Wange glüht, in