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Fünfzigstes Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia : 26. Juli 1912 : Lieder
Entstehung
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6. So lang ein Wirtshaus an der Lahn noch ſteht, ſo lang in Gießen, ein ſüffig Bier fließt durch den Hahn, ſoll's durch die Kehle fließen. Ein neues Faß, das Bier läuft ſchon, jetzt klingt es aus ganz anderm Ton: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!

7. Es iſt ein würd'ger Jubilar, dem wir dies Feſt er⸗ koren, vor fünfzig Jahren war Alemannia ja geboren! Wer heut ſich trinkt kein Räuſchlein an, der iſt fürwahr kein braver Mann, dem ſingen wir: O jerum, o quae mutatio rerum!

8. Drum Brüder reichet euch die Hand, Ihr Alten und Ihr Jungen, es hält das blau-rot⸗goldne Band uns eng und feſt umſchlungen. Stoßt an und leert das volle Glas, der Alemannia weihn wir das, ihr ſchwören wir aufs neue die alte Burſchentreue!

Dr. B. Prochownik.

2.

1. Als noch Arkadiens goldne Tage mich jungen Burſchen angelacht, wie hab ich da in ſüßem Taumel, die frohen Stunden hingebracht; leicht war mein Herz und leicht mein Wechſel, die gar zu bald davongerauſcht! Und doch hätt' ich mit keinem Fürſten, in jener Seligkeit getauſcht; war ſelbſt ein Fürſt der Freude ja, o goldne Akademia!

2. Zwar tät mein Vater häufig ſchreiben: Mein Sohn, geh ins Kollegium; doch oftmals wider meinen Willen bracht mich der Zufall neckiſch drum; bald galt's ein Fäßchen an⸗ zuſtecken, bald lag ich draußen auf Menſur! Die Luſt am Zechen und am Pauken liegt in des Burſchen Frohnatur. Wer ſchilt das kraſſe Füchslein da? O goldne Akademia!

3. Ging ich entlang die engen Gaſſen, aufs Haupt das Cerevis gedrückt, hei, wie die ſchmucken Mädchen lachten, wenn freundlich ich emporgenickt; den Weibern war ich wohlgewogen, als ſtets verliebter Muſenſohn, gern hätt' ich aller Herz be⸗ ſeſſen, doch eines war mein eigen ſchon, des ſchönſten Mäd⸗ chens, das ich ſah, o goldne Akademia!

4. Ach, pfeilſchnell flogen die Semeſter, ein altes Haus nennt man mich heut, nun hat auch mir auf meine Locken

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