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Fünfzigstes Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia : 26. Juli 1912 : Lieder
Entstehung
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10. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun!

Jeder trachte, wackrer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem

Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert; keiner taſte je ans Schwert, der nicht deutſch iſt von Geblüte.

Inoffizieller Teil.

1.

Alemannenlied. Mel.: O alte Burſchenherrlichkeit.

1. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin biſt du verſchwunden? So klingt es heute weit und breit in allen Zecherrunden. In Klagetönen ſchwer und bang hört allenthalben man den Sang: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!

2. Der eine klagt, die Politik verderbe den Charakter, der ſchreit, es geht die Kunſt zurück und dazu find't ſie nackt er, dem andern iſt dies Jammertal zu ſozial und zu radikal, kurz alles ſchreit: O jerum, o quae mutatio rerum!

3. Der vierte als Diogenes geht um mit der Laterne, nach Menſchen leuchtet er, indes ihn blendet die Moderne. Er ſucht die gute, alte Zeit, dieweilen er ſich heiſer ſchreit: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!

4. Silentium! ruf ich, ſeid doch ſtill, hört auf mit Eurem jerum, iſt keiner, der erfinden will dagegen uns ein Serum, ein Serum gegen Traurigkeit, die uns von Leid und Gram befreit, ein Serum gegen's jerum, das wär mutatio rerum!

5. Wie wird mir, hat die Wiſſenſchaft uns dies nicht ſchon gegeben? Gibt nicht der braune Gerſtenſaft uns täg⸗ lich neues Leben? Iſt nicht der Burſch auch heut noch frei? Ja, beim CH,O da ſeufzt er nicht mehr rerum, nicht mehr mutatio rerum!