4. Ich wollt, ich läg zur Stunde am Feidelberger Fass, den offnen Mund am Spunde und träumt, ich weiss nicht was. Und wollt ein Dirnlein fein mir gar die Schenkin sein: mir wär's, als schwämmen Rosen wohl auf dem klaren Wein.
5. Ach, wer den Weg doch wüsste in das Schlaraffen- land! Mich dünkte wohl, ich müsste dort finden Ehr und Stand. Mein Mut ist gar so schlecht, dass ich ihn tauschen möcht; und so's Dukaten schneite, das wär mir eben recht!
Geibel
16. Kurfürst Friedrich.
Karl Hering. 1887 1. Wütend wälzt sich einst im Bette Kurfürst Friedrich von der Pfalz; gegen alle Etikette brüllte er aus vollem Hals:: Wie kam ich gestern ins Nest? Bin, scheint's, wieder voll gewest!„,
2. Na, ein wenig schief geladen, grinste drauf der Kammermohr, selbst von Mainz des Bischofs Gnaden kamen mir benebelt vor,'s war halt doch ein schönes Fest: Alles wieder voll gewest!
3. So? du findest das zum Lachen? Sklavenseele, lache nur! Künftig werd ich's anders machen, Hassan, höre meinen Schwur:'s letzte Mal, bei Tod und Pest, war es, dass ich voll gewest!
4. Will ein christlich Leben führen, ganz mich der Be- schauung weihn; um mein Thun zu kontrollieren, trag ich's in ein Tagbuch ein, und ich hoff, dass ihr nicht lest, dass ich wieder voll gewest!
5. Als der Kurfürst kam zu sterben, machte er sein Testament, und es fanden seine Erben auch ein Buch in Pergament. Drinnen stand auf jeder Seit: Seid vernünftig, liebe Leut, dieses geb ich zu Attest: Heute wieder voll gewest.
6. Hieraus mag nun jeder sehen, was ein guter Vorsat- nützt, und wozu auch widerstehen, wenn der volle Becher blitzt? Drum stosst an! Probatum est: Heute wieder voll
gewest 1 A. Schuster. 1887


