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Kommerslieder zum 75. Stiftungsfest der ehemaligen Gießener Burschenschaft Alemannia, 26.-27. Juni 1937 : 1862-1937
Entstehung
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4. Geht der Burſch in Amt und Stand, iſt er auch noch zu was nütze, doch an ſeiner Klauſe Wand hängt er Band und bunte Mütze. Nun verſuch es, Werktagslaſt, heimſ ihn ein, bis du ihn haſt, doch er weiß ſein ſchönes Glück, findet ſeinen Weg zurück. Wer keine Sorge je und kein Verzagen weiß, und wer ſich raſch erſtürmt des Lebens kecken Preis, wer ſich als alter Herr doch ſtolz als Burſch bekennt, der bleibt ſein Leben lang ein richtiger Studentl jal ein richtiger Student. Ed. Heyck.

9. Die Lindenwirtin.

1. Keinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel ſchlaff und leer, lechzend Herz und Zunge. Angetan hat mir's dein Wein, deiner Auglein heller Schein, Linden⸗ wirtin, du junge, Lindenwirtin, du junge!

2.Angekreidet wird hier nicht, weil's an Kreide uns gebricht, lacht die Wirtin heiter.Haſt du keinen Heller mehr, gib zum Pfand dein Ränzel her, aber trinke weiter, aber trinke weiter!

3. Tauſcht der Burſch ſein Ränzel ein gegen einen Krug voll Wein, tät zum Gehn ſich wenden. Spricht die Wirtin: Junges Blut, haſt ja Mantel, Stab und Hut, trink und laß dich pfänden, trink und laß dich pfänden!

4. Da vertrank der Wanderknab Mantel, Hut und Wanderſtab, ſprach betrübt:Ich ſcheide. Fahre wohl, du kühler Trank, Lindenwirtin jung und ſchlank, liebliche Augen⸗ weide, liebliche Augenweide!

5. Spricht zu ihm das ſchöne Weib:Haſt ja noch ein Herz im Leib, laß mir's, trauter Wandrer! Was geſchah, ich tu's euch kund: Auf der Wirtin rotem Mund brannte heiß ein andrer, brannte heiß ein andrer.

6. Der dies neue Lied erdacht, ſang's in einer Sommer⸗ nacht luſtig in die Winde, vor ihm ſtund ein volles Glas, neben ihm Frau Wirtin ſaß unter der blühenden Linde, unter der blühenden Linde. Rudolf Baumbach. 12