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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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nomiſche Fakultät zurückgeht, ſind zur Feier des hundertjährigen Be⸗ ſtehens ihres Promotionsrechts von den Mitgliedern der Fakultät H. Jakobl?) und W. Schauder's) drei Schriften erſchienen, die wich⸗ tigen Aufſchluß über die Entwicklung der Fakultät geben. Der Anterricht in Phyſiologie wurde früher entweder von Mitgliedern dieſer Fakultät ſelbſt oder von Mitgliedern der Mediziniſchen Fakultät erteilt, neuer⸗ dings hören die Studierenden der Veterinärmedizin die gleichen Vor⸗ leſungen und beſuchen die gleichen Abungen wie die Humanmediziner. Der Phyſiolog der Mediziniſchen Fakultät iſt auch Mitglied der veteri⸗ närmediziniſchen Promotionsfakultät. In großzügiger Weiſe wird hier in der tierärztlichen Prüfung auchangewandte Phyſiologie vom Phyſiologen geprüft, während in der ärztlichen Prüfung der Wechſel⸗ balgpathologiſche Phyſiologie eine unerfreuliche Rolle ſpielt. Ein Mitglied der Fakultät, der Veterinäranatom P. Martin, ein Schüler Bonnets(ſ. o.) aus deſſen Münchener Zeit, war ſeinerzeit in Zürich auch für den Lehrſtuhl der Phyſiologie in der Mediziniſchen Fakultät auserſehen, iſt aber bei der Veterinärmedizin geblieben und hatte ver⸗ tretungsweiſe im Weltkrieg auch die Leitung des hieſigen Phyſiologi⸗ ſchen Inſtituts.

5. Das neue Phyſiologiſche Inſtitut.

Das Inſtitut ſteht auf einer Anhöhe im Süden der Stadt, dem Seltersberg, die Front nach Nordoſten gerichtet.

Dem Beſchauer fällt ſofort eine Dreiteilung auf. Den Grundſtock bildet die mittlere, die Forſchungsabteilung, daran reiht ſich rechts der Rundbau mit der Anterrichtsabteilung und links die Verwaltungs⸗ abteilung, wie ſie kurz benannt ſei. In dem Dachgeſchoß iſt rechts noch das Inſtitut für Körperkultur, das der wiſſenſchaftlichen Anterſuchung der Leibesübungen dient, links das Inſtitut für experimentelle Pſycho⸗ logie untergebracht. So ſind die für die Phyſiologie des Menſchen wichtigen Fächer zur gegenſeitigen Förderung in einem Bau vereinigt.

Das Phyſiologiſche Inſtitut im engeren Sinn wies urſprünglich in der Forſchungsabteilung 4 Anterabteilungen auf, nämlich eine phy⸗ ſikaliſche, chemiſche, anatomiſch⸗hiſtologiſche und operativ⸗chirurgiſche. Anterdeſſen iſt die chemiſche Abteilung ſelbſtändiges Inſtitut geworden, wie ſchon erwähnt. Die phyſikaliſche Abteilung iſt im 1. Obergeſchoß, die chemiſche der aufſteigenden Dämpfe wegen im 2. Obergeſchoß, die anatomiſch⸗hiſtologiſche ebenda und die operativ⸗chirurgiſche der leich⸗ teren Zubringung der Tiere wegen im Erdgeſchoß untergebracht. Dazu

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