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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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Seciertiſch und reißt auf dieſe Weiſe aus lieb gewordenen Gewohn⸗ heiten heraus, führt alſo zu heilſamer Selbſtüberwindung. Das ſtete Schneiden, Zerlegen, Wenden und Drehen, Sehen und Vor⸗ ſtellen konzentriert den Geiſt auf das Reale, entrückt ihn dem Phantaſie⸗ leben, duldet nicht das Anklare und macht ihn in der eignen Prüfung feſt.

Wie die Phyſiologie nach Inhalt und Methode ſteht, muß ſte als der Kern betrachtet werden, um welchen ſich der geſamte Reſt medi⸗ ziniſcher Bildung herankriſtalliſieren ſoll. Der philoſophiſchen Speku⸗ lation entronnen, ſtellt ſie die Mechanik, Phyſik und Chemie des Orga⸗ nismus dar und lehrt die Erſcheinungen desſelben nach den fruchtbaren Methoden dieſer Diſziplinen darſtellen. Wohlüberlegtes methodiſches Forſchen iſt hier an die Stelle veralteter teleologiſcher Phantaſien ge⸗ treten und bringt mit unerbittlicher Kritik das Prinzip der Kauſalität zur Geltung. Eckhard glaubt aber, daß es kaum ein zweites Gebiet des Forſchens gibt, wo die Wachſamkeit über die zu ziehenden Schluß⸗ folgerungen mit ſolcher Ausdauer auf der Hut zu ſein hat, wie in der Phyſiologie. Nie dürfen die phyſiologiſchen Studien den Arzt ver⸗ laſſen, ſie ſind ſein Kompaß, je nach deſſen Stellung er durch das Ge⸗ biet der mediziniſchen Wiſſenſchaft zu ſteuern hat.

Was die übrigen Fächer der Medizin anlangt, ſo iſt in jedes mit den gewaltigen Fortſchritten auf dem Gebiet der Phyſiologie ein phyſiologiſcher Geiſt gefahren, womit aber Eckhard nicht geſagt haben will, daß man nur ein guter Phyſiologe zu ſein brauche, um als prak⸗ tiſcher Arzt fertig zu ſein.

Eckhard geht weiterhin auf die Arzneimittellehre¹s), die der Phyſio⸗ logie am meiſten verwandt ſei, und auf die praktiſche Seite der Medizin ein und ſtellt eine Prüfungsordnung auf. Im Phyſikum ſoll nur Mathematik, Phyſik und Chemie, dieſe aber gründlich und Chemie auch praktiſch geprüft werden, von der Prüfung in den beſchreibenden Naturwiſſenſchaften und andern angrenzenden Wiſſenſchaften ſoll ab⸗ geſehen werden,es rückt uns ſonſt das ganze Heer von Wiſſenſchaften auf den Leib und macht von unſerer Gutmütigkeit den ausgedehnteſten Gebrauch, man verlange ja auch von einem Seelſorger nicht, daß er von einem Mediziner über die Regeln, die man bei einem Krankenbeſuch zu beobachten habe, geprüft werde.

Bei der hohen Bedeutung der Anatomie hält Eckhard dafür, daß ihr Studium einen beſonderen Abſchnitt im Leben des Arztes und in der Prüfung bilde, dieſe ſoll ſich in den Situs, die Anfertigung eines

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