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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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8 Ahr im Café Ebel Fakultätsmitglieder, praktiſche Ärzte, Aſſiſtenten und Schüler in höheren Semeſtern um ſich, wobei über das Neueſte aus Anatomie und Phyſiologie berichtet wurde. Bei der anſchließenden Ausſprache ging es oft heiß her, aber das nachfolgende Glas Bier brachte wieder Verſöhnung.

Wie ſehr ihm die gute Ausbildung ſeiner Schüler am Herzen lag, geht aus einer SchriftAber die Bildung und Prüfung des Arztes hervor, die er im Jahr 1869 im Verlag von E. Roth in Gießen hat erſcheinen laſſen. Ich gehe etwas genauer auf dieſe Schrift ein, da das Arteil und die Vorſchläge eines ſo anerkannten, bis in ſein 84. Le⸗ bensjahr tätigen alademiſchen Lehrers auch heute noch Geltung beanſpruchen dürfen.

Die Schrift beginnt mit feinem Humor:Obſchon in unſerem formellen, deutſchen Aniverſitätsleben die theologiſche und juriſtiſche Fakultät vor der mediziniſchen den Vortritt zu haben pflegen, wodurch angedeutet werden ſoll, daß Gott und Recht der Geſundheit und dem Leben vorgehen, ſo pflegt man in dem Verkehr des praktiſchen Lebens dem Arzte dennoch eine Stellung einzuräumen, über welche dieſer nicht zu klagen hat. Er ſpricht dann von der Achtung und dem Vertrauen, das man dem echten Arzte zollt. Bei dieſer faſt ſchrankenloſen Hingabe der Kranken an den ärztlichen Stand muß die Ausbildung des Arztes derart ſein, daß das Vertrauen gerechtfertigt werden kann, die An⸗ ſprüche an den Arzt müſſen alſo ernſt und ſtreng, aber frei von jedem Formalismus und bürokratiſcher Einwirkung ſein.

Er fährt dann fort:Man kann dreiſt behaupten, daß, wer ſich den Namen eines wiſſenſchaftlich gebildeten Arztes erwerben will, heut zu Tage mehr Opfer an Zeit, Geld und geiſtiger Arbeit zu bringen hat als Jeder, der einen andern Lebensberuf wählt.

Anter den Vorbildungsanſtalten hält Eckhard das Gymnaſium für die zweckmäßigſte unter der Vorausſetzung, daß dort die Natur⸗ wiſſenſchaften und die Mathematik mehr Eingang finden. Auf der Aniverſität verlangt er zunächſt ein gründliches Studium der Mathe⸗ matik, Phyſik und Chemie und praktiſche Betätigung in dieſen Wiſſen⸗ ſchaften.

Notwendig iſt dann eine gediegene Ausbildung in Anatomie und Phyſiologie.Die ächte Art, die Anatomie ſich anzueignen, repräſen⸗ tiert die normale Geburt des Arztes. Sie iſt kein Gegenſtand, der ſich mit Gemütlichkeit bei einer Taſſe Café und der Zigarre auf dem Sopha erlernen läßt; ſie treibt unaufhörlich an den unwirtſamen

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