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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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So hat Biſchoff der Anatomie und Phyſiologie eine würdige Stätte in Gießen bereitet.

Durch die Berührung mit Liebig kam Biſchoff auch zu Stoff⸗ wechſelverſuchen, er führte ferner die bekannt gewordene Beſtimmung der Geſamtblutmenge des Menſchen aus. Seine Vorleſungen wurden durch Experimente und Demonſtrationen belebt, außer den Sezier⸗ übungen wurden auch mikroſkopiſche und phyſiologiſche Abungen ab⸗ gehalten. Neben Entwicklungsgeſchichte las er auch über vergleichende Phyſiologie der Pflanzen und der Tiere.

Als Liebig 1852 dem Nuf nach München folgte, zog er Biſchoff bald nach, der 1855 als Anatom und Phyſiologe dorthin überſiedelte und dort wie vorher in Gießen genötigt war, zunächſt zu bauen, da die Anatomiſche Anſtalt ſeinen Anforderungen nicht genügte. In München arbeitete er mit ſeinem Aſſiſtenten Carl Voit zuſammen, an den er im Jahr 1863 die Vorleſung über Phyſiologie abtrat, während er ſelbſt ſich mit Anthropologie, Darwinſcher Abſtammungs⸗ lehre, Anatomie der Anthropoiden und Großhirnſtudien befaßte. Die Häckelſche Anthropogenie erklärte er für unzutreffend. Er hat ſich auch noch mit dem Nekrutierungsgeſchäft zur Beurteilung des Geſund⸗ heitszuſtands der Bevölkerung und mit Prüfungsfragen befaßt; das Studium der Medizin durch Frauen lehnte er ab. Im Jahr 1878 trat er vom Amt zurück, lebte im Sommer am Chiemſee, im Winter in München, und ſtarb im Jahr ſeines goldenen Doktor⸗Jubiläums, 75 Jahre alt.

Die Landesuniverſität Gießen kann ſich rühmen, dieſer bedeutenden Perſönlichkeit, die Sudhoff neben K. E. v. Baer ſtellt, zuerſt die Wirkung im Großen ermöglicht zu haben.

Biſchoff, der durch Liebig ſo gefördert wurde und ſeit 1843, dreißig Jahre lang, faſt ununterbrochen in perſönlichem Verkehr mit ihm ſtand, hat dieſem großen Mann ein bedeutſames Denkmal in einer Schrift Über den Einfluß des Freiherrn Juſtus von Liebig auf die Entwicklung der Phyſiologie¹1) errichtet. Er findet, daß Liebigs Schriften nicht immer leicht zu leſen ſeien und dadurch auch Mißverſtändniſſe hervor⸗ gerufen hätten, und er unternimmt es nun, die großen wiſſenſchaftlichen Taten dieſes Mannes dem Leſer näher zu bringen und das Für und Wider, das man zu Liebigs Anſichten äußerte, ins rechte Licht zu ſetzen. Eigentümlich nennt er es, daß keiner der damals lebenden Phyſiologen ein unmittelbarer Schüler Liebigs geweſen ſei, ſelbſt Ludwig und Eckhard in dem nahen Marburg hätten ſeines Wiſſens

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