noch in einem Kollegium zu tun, wo nichts gelehrt und nichts gelernt werden konnte?s)
Am ſo mehr zogen Vogt Liebigs Vorleſungen an, ſie„waren freilich keine Muſter, weder was die Direktive, noch was die Ausführung der zahlreichen Experimente oder die Deduktion der Schlüſſe und Folge⸗ rungen betraf. Liebig überhaſtete ſich damals noch in allem; er ließ ſtets die Mittelglieder einer logiſchen Folgerung aus und ſprang von dem Vorderſatz gleich mit beiden Füßen in den Schlußſatz hinein. Bei den Verſuchen vergriff er ſich regelmäßig, und ein Experiment gelang nur dann, wenn ihm die Aſſiſtenten links und rechts die Inſtrumente und Reagentien in die Hand gaben. So vortrefflich er im Laborato⸗ rium manipulierte, ſo ſchlecht gelang es ihm in der Vorleſung; aber trotz dieſer Mängel faßte man Feuer für die Sache und ward hin⸗ geriſſen“.
Bis zum Jahr 1846 wirkten Liebig und Wilbrand nebeneinander, aber offenbar nicht miteinander. Seit S. S. 1836 wird in den Vor⸗ leſungsverzeichniſſen des letzteren Sohn Julius Wilbrand als Pro⸗ ſektor genannt, der immer mehr die Anatomie übernahm, während der Vater die Phyſiologie beibehielt. Für das S. S. 1846 kündigte Wilbrand noch an„Was iſt Phyſiologie und was iſt ſie nicht, wenn ſie wiſſenſchaftlich begründet ſein und wiſſenſchaftlichen Wert haben ſoll“— man ſpürt darin geradezu ein Aufbäumen gegen die neue Rich⸗ tung—, es kam aber wohl nicht mehr zu dieſer Vorleſung, denn am 9. Mai 1846 iſt Wilbrand geſtorben.
Von weiteren Lehrern der Phyſiologie in dieſer Zeit ſei Privat⸗ dozent Dr. H. K. H. Hoffmann aus Rödelheim genannt, der über Verdauung und überhaupt über den chemiſchen Teil der Phyſiologie, auch über den mikroſkopiſchen Teil las und auch praktiſche zoochemiſche Arbeiten und Examinatorien für Phyſiologie, Botanik und Zoochemie abhielt; er wurde 1853 o. Profeſſor der Botanik und war ſeit 1851 Direktor des Botaniſchen Gartens.
Am Anatomiſch⸗phyſiologiſchen Inſtitut war auch H. A. Barde⸗ leben aus Frankfurt a. d. O. ſeit 1844 Privatdozent, ſpäter o. Profeſſor der Chirurgie in Greifswald und Berlin.
Noch zu Lebzeiten Wilbrands wurde als Profeſſor der Phyſio⸗ logie Th. L. W. Biſchoff berufen, und zwar auf Liebigs Vorſchlag; es zeigte ſich bald, wie gut dieſer Vorſchlag war.
Biſchoffo) wurde am 28. Oktober 1807 in Hannover geboren, ſein Vater war Arzt, ſpäter Profeſſor der Pharmakologie und
12


