Durch den Auftrieb, den ſo Phyſik und Chemie erfuhren, bricht nun die neue Aera der Naturwiſſenſchaften und damit der Phyſiologie an, die dann beſonders durch Hermann Helm holtz auf eine bisher un⸗ erreichte Höhe gebracht werden ſollte.
So iſt die Landesuniverſität Gießen durch Liebig— er gehörte der Philoſophiſchen Fakultät an— in das hellſte Licht chemiſcher und biochemiſcher Forſchung gerückt worden. Kber Liebigs Leben iſt ſo viel geſchrieben worden, daß ich mir hier verſage, näher darauf einzugehen. Es ſei auf die ausführliche Bio⸗ graphie ſeines Schülers J. Volhard ſowie auf die Vorleſung von W. Oſtwald über„Juſtus Liebig“, die in ſeinem Buch„Große Män⸗ ner“ abgedruckt iſt, verwieſen. Am 6. Mai des Jahres 1824 wurde Liebig, nachdem er ſeit Spätherbſt 1822 eine exakte Ausbildung in Chemie unter Gay⸗Luſſac, Dulong und Thénard in Paris erfahren hatte, zum außerordentlichen Profeſſor in Gießen ernannt, er hatte gerade das 21. Lebensjahr vollendet. Schon am 7. Dezember 1825 wurde er ordentlicher Profeſſor. Liebig war frühreif und wird von Oſtwald in dem oben erwähnten Buch, in dem der Verfaſſer die Genies unter den Naturforſchern in zwei Gruppen, in Nomantiker und Klaſ⸗ ſiker, einteilt, zu den Romantikern gerechnet.
Liebigs Einſtellung zur Phyſiologie ergibt ſich aus ſeiner Mahnung:„Die ſchönſte und erhabenſte Aufgabe des menſchlichen Geiſtes, die Erforſchung der Geſetze des Lebens, kann nicht gedacht werden ohne eine genaue Kenntnis der chemiſchen Kräfte“. Mit un⸗ geheurer Tatkraft ging er an die Arbeit und räumte rückſichtslos beiſeit, was ihm im Wege ſtand. Köſtlich iſt auch eine ſpäter verfaßte Schrift„Aber den Zuſtand der Chemie in Preußen“.
Hier in Gießen entſtand nun das erſte Anterrichtslaboratorium der Chemie, das jetzt noch als Liebig⸗Muſeum erhalten iſt.
Die Methode ſeines Anterrichts und ſeiner Forſchung ergibt ſich aus ſeiner Autobiographie:„Einen eigentlichen Anterricht im Labora⸗ torium, den geübte Aſſiſtenten beſorgten, gab es nur für Anfänger; meine ſpeziellen Schüler lernten in dem Verhältnis, als ſie mitbrachten; ich gab die Aufgaben und überwachte die Ausführung; wie die Radien eines Kreiſes hatten alle einen gemeinſamen Mittelpunkté). Eine eigent⸗ liche Anleitung gab es nicht; ich empfing von jedem einzelnen jeden Morgen einen Bericht über das, was er am vorhergehenden Tage getan hatte, ſowie ſeine Anſichten über das, was er vorhatte; ich ſtimmte bei oder machte meine Einwendungen; jeder war genötigt,
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