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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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Die Oſterferien brachte er in einem Krankenhaus in Bamberg zu und konnte ſich dann nach Paris wenden, wo er bei Cuvier arbeitete und bei Lamarck Vorleſungen hörte. Im Herbſt verließ er Paris und hielt dann ſelbſt Vorleſungen in Münſter. 1808 ſandte er ein Manuſkript Darſtellung der geſamten Organiſation an den Verleger Heyer in Gießen. Im gleichen Jahr noch erhielt er einen Nuf nach Gießen. Er war zweimal verheiratet, von zwei Söhnen blieb einer, Julius, am Leben, der ſich ſpäter in Gießen habilitierte. Seit Frühjahr 18009 wirkte der Vater in Gießen, verbeſſerte dasanatomiſche Lokal, kaufte die Lobſteinſche Inſtrumentenſammlung an, vermehrte die anderen Samm⸗ lungen und übernahm 1817 auch die Aufſicht über den Botaniſchen Garten, den er beträchtlich erweiterte. Einen Ruf nach Erlangen lehnte er im Jahr 1819 ab, ebenſo kurz darauf einen zweiten nach Freiburg. Von einer großen Zahl wiſſenſchaftlicher Geſellſchaften wurde er zum Mitglied, 1816 von der Philoſophiſchen Fakultät Gießen zum Ehren⸗ doktor ernannt, 1846 ſtarb er.

Wilbrand war ein Freund Goethes und mit dem Dichter der Auffaſſung, daß die Farben nicht als ſolche im Licht enthalten ſind, wie Newton meinto, ſondern das Ergebnis des Gegenſatzes zwiſchen dem Finſtern und dem Licht ſind. Für das Blau drückte das Goethe poetiſch ſo aus:Steht vor dem Finſtern milchig Grau, Die Sonne beſcheints, da wird es Blau. Auch das Wilbrandſche Buch iſt reich an Ideen und großzügigen Betrachtungen, wie z. B.:Die Zirkulation iſt in jedem Naturindividuum die individuelle Erſcheinung der allgemeinen Zirkulation, die in der ganzen Natur als Ausdruck des Lebens ob⸗ waltet und ſich im Aniverſum als gegenſeitige Bewegung der Geſtirne äußert. Poſitives wird aber nicht allzuviel geboten, geſicherte Ergeb⸗ niſſe werden verkannt, vor einer chemiſchen Analyſe der Körperflüſſig⸗ keiten wird gewarnt, weil dieſe dadurch ja zerſtört, getötet würden; vor allem macht ſich aber eine wahre Sucht geltend, in allen Funk⸗ tionen Polarität zu ſehen. So wird z. B. das Kapillarſyſtem geleugnet, das Blut werde im Venenſyſtem von neuem erzeugt. Das Blut ſei flüſſiges Fleiſch, feſte Gebilde des Körpers geronnene Säfte(S. 167). Das Blut des Hohlvenenſyſtems verhält ſich zum Blut des Aorten⸗ ſyſtems, wie ſich das reale Daſein zur innern Beſeelung verhält, oder: die drei bogenförmigen Kanäle verhalten ſich zur Schnecke wie im Ganzen der Natur die Evolution zur Involution(S. 290); derartig gewagte Vergleiche kommen oft vor. Polares Verhalten beſteht zwi⸗ ſchen Magen und Nieren(je mehr Einnahmen im Magen, um ſo mehr

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