Druckschrift 
Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

vermöge des hohen Grades der hier vorwaltenden elektriſchen Span⸗ nung, expanſiver und kontraktiver Bewegung fähig(S. 160). Die wahre Natur des Sinnes iſt dieſe: Was urſprünglich eines iſt und ungetrennt, das ſoll auch in der Erkenntnis eines und ungetrennt ſein. Der Sinn tritt als Mittler zwiſchen das Innere und das Äußere, zwiſchen das Subjektive und das Objektive: nicht er iſt ſeiner Natur nach ſubjektiv oder innerlich, im Gegenſatz eines Objektiven oder Äußerlichen: ſondern die Sinneserkenntnis iſt eben die Aufhebung ſolcher Trennung. Der Sinn läßt ſie nicht mehr zu: er hängt ſich an das Objekt ſeiner Betrach⸗ tung unmittelbar, wie der Magnet an das Eiſen(S. 251). Das Kapitel Seelenverrichtungen beginnt S. 339:Das Phyſiſche iſt nirgends in ſich vollendet, es bedarf überall, damit es ein Ganzes werde, des Pſychiſchen, und da, wo es einen Mittelpunkt des Seins in ſich ge⸗ funden, und ſich zu einer wahrhaften Totalität vollendet hat, geht in ihm die Seele auf, welche, obgleich im Körper erſcheinend, dennoch frei und unkörperlich, ohne Vermiſchung mit ſinnlichen Dingen und wahrhaft unſterblich iſt, gleich der Idee, deren reines Durchwirken durch die Endlichkeit eben die Seele iſt. Die Seele iſt daher ſchlechthin Ar⸗ bildliches und hat nichts gemein mit der Materie.

Ähnlicher Art iſt das Buch von Wilbrand, ordentl. öffentl. Lehrer der Anatomie, der vergleichenden Anatomie, der Philoſophie und Naturgeſchichte in Gießen, der herzoglichen Sozietät für die ge⸗ ſamte Mineralogie zu Jena Ehrenmitgliede und der wetterauiſchen Geſellſchaft für die geſamte Naturkunde correſpondierendem Mitgliede.

J. B. Wilbrand), als der Sohn einfacher Landleute, Kötter, die im Dienſt eines Jeſuitenkloſters ſtanden, im Jahr 1779 in Klarholz bei Münſter i. W. geboren, ſpürte ſchon früh den Drang zum Studium in ſich. Anter großen Entbehrungen, unterſtützt von Gönnern, eignete er ſich ſeit dem 14. Jahr in Münſter die nötigen Kenntniſſe an, beſuchte das Gymnaſium daſelbſt, trieb dann zwei Jahre Philoſophie, die ſein Leitſtern im ganzen Gebiet des Wiſſens werden ſollte; beſonders zog ihn Schelling an. Dann ſtudierte er Theologie, ging aber im Jahr 1801 zur Medizin über, immer arbeitend und ſich kein Vergnügen gönnend. Er las viele philoſophiſche, naturwiſſenſchaftliche und mediziniſche Schriften und kam dabei zur Äberzeugung, daß die Chemie der Phyſio⸗ logie nur Täuſchungen bereiten würde. Im Jahr 1804 und 1805 über⸗ nahm er eine Hofmeiſterſtelle. Seine Gönner ermöglichten ihm, 1805 in Würzburg weiter zu ſtudieren, wo er Schelling nun ſelbſt hörte und 1806 mit der DiſſertationAber das Weſen des Atmens promovierte.

6