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Über den Werdegang der Physiologie und das neue Physiologische Institut an der Landesuniversität Gießen / von Karl Bürker, Gießen
Entstehung
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Auf S. 2 iſt zu leſen, daßalles wahre Wiſſen nur eines, nemlich das philoſophiſche iſt. Philoſophie aber iſtdie Wiſſenſchaft von den Ideen überhaupt..., Medizin aber iſt ein Handeln nach Ideen im Gebiete der Naturwiſſenſchaft(S. 3). Anter allen Lebensformen iſt das menſchliche Leben der vollkommenſte Neflex der Idee: und erſt mit der Entſtehung des Menſchen iſt die Idee des Lebens als realiſiert ihrem ganzen Inhalte nach zu betrachten(S. 10). Alle kosmiſchen Beziehungen und Geſtaltungen ſind in ihm im Kleinen nachgebildet, und ſelbſt das Licht und die Vollkommenheit der aſtraliſchen Leiber entfernter Welten hat in dem Mikrokosmus des Menſchen ihren ver⸗ klärten Widerſchein gefunden: denn aus allem leuchtet auf gleiche Weiſe das göttliche Weſen des All hervor(S. 11). Man dachte damals großzügig. In die Dinge dieſes Alls ſind die Ideen gleichſam als Seelen in die Materie verſenkt. Daher mag der menſchliche Mikrokosmus nicht nur mit Tieren, ſondern mit allem, was in dem Aniverſum iſt, und ſich bewegt, verglichen werden. Die Geſetze des Planetenſyſtems und alle kosmiſchen Beziehungen müſſen ſich daher im Organismus wieder⸗ finden; denen die Auffindung derſelben zum Ärgernis gereicht, die mögen ſich mit jenen zuſammenhalten, welche bei den erſten Anter⸗ nehmungen der comparativen Anatomie darüber ſchrien, daß man den Menſchen brutaliſiere und mit wilden Beſtien vergleiche(S. 12). And weiterhin: Der Anterſchied des Phyſiſchen und des Pſychiſchen iſt nicht vorhanden, ſondern in ewige Harmonie aufgelöſt. Was das Verfahren der Phyſiologie betrifft, ſo iſt es für die Darſtellung des abſoluten Grundes des Lebens rein philoſophiſch(S. 16).

In einem erſten oder allgemeinen Deil und in einem zweiten oder beſonderen wird nun die Phyſiologie des Menſchen abgehandelt, wobei die Ideen eine große Nolle ſpielen, es aber an ſicheren natur⸗ wiſſenſchaftlichen Beobachtungen fehlt. So ſeien z. B. eigene Drüſen zur Sekretion des Magenſaftes in den Wandungen des menſchlichen Magens nicht enthalten, freie Säure entwickele ſich in demſelben nur in krankhaftem Zuſtand(S. 200). Der Kreislauf richte ſich nach keinem einzigen Geſetz der Hydraulik(Bd. 2, S. 5). So wie der ganze Kreis⸗ lauf vorzugsweiſe ein elektriſcher Prozeß iſt, ſo iſt die venöſe Gefäß⸗ bewegung magnetiſch(S. 9). Die Neſpiration iſt eine Verzehrung des Irdiſchen durch das Himmliſche: ſo wie alle Verbrennung nur eine Läuterung und Verklärung des beſonderen Seins an den Dingen iſt(S. 106). Jede Muskelfaſer trägt einen freien, ungebundenen Gegen⸗ ſatz in ſich: ſie iſt mit entgegengeſetzten Elektrizitäten geladen und ſomit,

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