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Begrüßungsrede [bei der Tagung der Deutschen Pathologischen Gesellschaft in Gießen 1935] : [die Entwicklung der pathologischen Anatomie an der Universität in Gießen] / des Herrn Georg Herzog - Gießen
Entstehung
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klein, um als Versammlungsort für die heurige Tagung dienen zu können. Ich möchte hinzufügen, daß im hiesigen pathologischen Institut im Jahre 1933 484, im Jahre 1934 596 Sektionen ausgeführt worden sind. Unsere großen Gießener Kliniken erfassen eine Klientel nicht nur aus Gießen und Oberhessen, sondern auch aus den nachbarlichen Preußischen Provinzen, namentlich bis weit in den Westerwald hinauf ¹).

Verehrte Fachgenossen! Ich glaube, Gießen wurde als Tagungsort besonders auch deshalb gewählt, weil unsere Gesellschaft dadurch an- erkennen will, daß die kleinere und mittlere Universität in ihrer tradi- tionellen Verbundenheit mit Volk und Boden, der an ihr leichter zu ver- wirklichenden, strafferen Zusammenfassung von Dozenten- und Studenten- schaft, ihrer naturgemäß innigeren Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, der an ihr viel mehr möglichen Heranbringung der Studierenden an den Kranken und sein Leiden ihre besondere Berechtigung hat.

Das neue Deutschland hat wieder sparen gelernt. Auch die Wissen- schaft ist wieder sparsamer geworden. Und wenn auch niemand daran denken wird, daß die Ausgaben für sie etwa auf die Beträge des vorigen

Jahrhunderts zurückgedrückt werden könnten, ohne dem Volksganze n. zu schaden, so bringt der Zwang zur Sparsamkeit doch für vieles ein Gutes mit sich. Nicht im Komplizierten, im Einfachen zeigt sich der Meister! Dieses Besinnen auf das Einfache tut not!

Die Hessische Landesuniversität hat zu keiner Zeit über luxuriöse Geldmittel verfügt. Gleichwohl sind unter stetiger verständiger sparsamer Zusammenarbeit schöne und gute Anstalten entstande n. Wir sind heute in der Lage, alle unsere Kliniken und Institute mit Stolz zu zeigen. In einem pesonders schönen Hause, dem physiologischen Institut, befinden wir uns zur Zeit. Ich ergreife gern die Gelegenheit, dem Direktor und Erbauer dieses Institutes, meinem verehrten Kollegen Bürker, für seine freundlichst und bereitwilligst gewährte Gastfreundschaft t auch meinerseits herzlichen Dank zu sagen. Die uns überlassenen weitläufigen und wohl eingerichteten Räume eignen sich so gut wie kaum andere für unsere Tagung und ihre verschiedenen Belange. Wenn die Gießener Tagung, wie ich hoffe, in der Geschichte unserer Gesellschaft bestehen wird, so hat dieses Haus und sein Hausherr einen nicht geringen Anteil daran.

Aber meine verehrten Fachgenossen! Sie sollen und Sie wollen, so meine ich, gerade weil Sie in die kleinere Universität Gießen gekommen sind. nicht nur medizinische Institute kennen lernen, sondern auch den hier waltenden Geist und möglichst viel von dem, was Gießen sonst eigentümlich ist. Und ferner kommen wir m. E. auf den Tagungen zusammen, nicht nur um wissenschaftliche Vorträge zu hören und Vorweisungen anzusehen, sondern um uns gegenseitig menschlich kennen und schätzen zu lernen. Diese verschiedenen Momente leiteten mich der Gestaltung des außer- wissenschaftlichen Rahmens unserer Tagung, für den ich verantwortlich bin. Ich wünsche, daß er in dem genannten Sinne zum Gelingen des Ganzen. beitragen möge. Daß Sie auch die nach allen Richtungen hin schöne

1) Bezüglich weiterer geschichtlicher Angaben verweise ich auf:

A. Jesionek, Zur 3. Jahrhundertfeier der Universität Gießen, Münch. med. W. 1907,

S. 1536.

Dannemann, Zur Geschichte der medizinischen Fakultät Gießen. Deutsche med.

W. 19070, S. 125 0.

J. Geppert, Zur Geschichte der medizinischen Fakultät, Universität Gießen, 1607 bis 1907, Verlag A. Töpelmann, Gießen.