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Begrüßungsrede [bei der Tagung der Deutschen Pathologischen Gesellschaft in Gießen 1935] : [die Entwicklung der pathologischen Anatomie an der Universität in Gießen] / des Herrn Georg Herzog - Gießen
Entstehung
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das hauptsächlich pathologische Präparate enthielt, für 16500 Gulden angekauft und 1844 mit der pathologisch-anatomischen Sammlung ver- einigt; eine große Anzahl dieser meist instruktiv und originell aufgestellten Präparate mit sauber gedruckten Etiketten in lateinischer Sprache läßt sich heute noch beim Unterricht verwenden. Ein großer gedruckter Katalog der umfangreichen Sammlung aus dem Jahre 1851 ist neben vielen alten Briefen und Drucksachen, die Befunde an Leichen und Präparaten be- treffen, noch im Besitz des Institutes.

Die dritte Periode in der Geschichte der pathologischen Anatomie Gießens beginnt 1872 mit der Berufung pesonderer Fachpathologen. Seit dieser Zeit liegen auch ausführliche Sektionsprotokolle vor. Als Ubergang wäre zu erwähnen, daß schließlich schon der genannte Alexander Winther sich für pathologische Anatomie spezialisiert hatte und von 1867 ab eine eigene Professur für pathologische Anatomie innehatte; Winther hatte 1860 auch ein Lehrbuch über pathologische Histologie geschrieben; von Haus aus und daneben war er aber Augenkliniker(18481864). Die ersten.

drei Fachpathologen Langhans übrigens ein geborener Hesse aus Usingen(1872 1873, später Bern), Köster(1873 1874, später Bonn),

Perls(1874 1881) waren aus der Schule von Rec klinghausens hervor- gegangen. Perls starb im Mai 1881 an Flecktyphus, den er sich während einer Epidemie bei der Sektion eines Handwerksburschen zugezogen hatte. 1881 wurde von Breslau Felix Marchand berufen; er ging 1883 nach Marburg. Gern wäre er geblieben, wie er mir einmal erzählte, aber der damalige großherzogliche Regierungsvertreter lehnte ihm die Errichtung eines eigenen Institutsgebäudes, das er in Marburg versprochen bekam, ab mit den Worten,er wolle wohl gar der Regierung die Pistole auf die Brust setzen. Das pathologisch-anatomische Institut war damals zusammen mit Anatomie, Zoologie und Physiologie in einem großen 1845 errichteten Gebäude untergebracht, das noch jetzt in nächster Nähe des Bahnhofes steht und schon seit 1849 die große pathologisch-anatomische Sammlung beherbergte; die normale Anatomie und die Zoologie sind heute noch in diesem Gebäude zu Hause. Ich freue mich, den ersten Assistenten Mar- chands, Herrn Sanitätsrat Ohnacker-Butzbach, heute unter uns zu wissen; seine Doktorarbeit überTuberkulose der weiblichen Brustdrüse ist bereits, wie viele Arbeiten späterer Schüler, mit Zeichnungen von der Hand Marchands, unseres gemeinsamen Lehrers, geziert.

Den nachhaltigsten Einfluß auf die pathologische Anatomie in Gießen. hat Bostroem, ein Schüler Zenkers, ausgeübt, der den Lehrstuhl von- 1883 1926 innehatte, aber noch bis zu seinem Tode, ja man kann sagen, pis zu seinem letzten Atemzug, am 24. Mai 1928 für die Fakultät lebhaftest interessiert und als Prüfungsvorsitzender tätig war. Wir kennen ihn meist noch persönlich, die Würdigungen seiner eindrucksvollen sprühenden Per- sönlichkeit anläßlich seines Todes sind noch frisch in unserer Erinnerung Als Assistenten gingen während seiner Amtszeit unter anderen durch das Institut: Lubarsch, Fahr, Moenckeberg, Geipel, Wilms, John Miller und Stoeckenius. In seinem Rektoratsjahr konnte Bostroem ein eigenes pathologisches Institut erbauen und 1890 zusammen mit den Neubauten für die medizinische Klinik und die Frauenklinik einweihen. Dieses Institut, mit einfachen Baumitteln, aber auf einem guten und weit- sichtigen Grundplan errichtet, steht noch heute. Es wurde von mir 1928 durch einen Anbau und weiterhin durch systematischen Ausbau ergänzt, so daß es den heutigen Anforderungen des Lehr- und Forschungsbetriebes gerecht zu werden vermag. Zu meinem Bedauern sind aber die Hörsäle zu