Druckschrift 
Darmstädter Liederbuch : herausgegeben anläßlich des 45-jährigen Stiftungsfestes, S.S. 27
Entstehung
Einzelbild herunterladen

48, jugend. Weiſe von Theodor Mohr. 1895.

1. Nur einmal bringt des Jahres Lauf uns Lenz und Lerchenlieder; nur einmal blüht die Roſe auf, und dann verwelkt ſie wieder, nur einmal gönnt uns das Geſchick, ſo jung zu ſein auf Erden: haſt du verſäumt den Kugen⸗ blick, jung wirſt du nie mehr werden, haſt du verſäumt den Augenblick, jung wirſt du nie mehr werden.

2. Drum laß von der gemachten pPein um nie ge⸗ fühlte Wunden! Der Augenblick iſt immer dein, doch raſch entfliehn die Stunden. Und wer als Greis im grauen haar vom Schmerz noch nicht geneſen, l: der iſt als Jüngling auch fürwahr nie jung und friſch geweſen.:)

3. Nur einmal blüht die Jugendzeit und iſt ſie bald entſchwunden; und wer nur lebt vergangnem Leid wird nimmermehr geſunden. Verjüngt ſich denn nicht auch Natur ſtets neu im Frühlingsweben? l: Sei jung und blühend einmal nur, doch das durch's ganze Leben!:JI Rich. v. Wilpert.

49. O alte Burſchenherrlichkeit. Eigene Weiſe. Vor 1843.

1. Oalte Burſchenherrlichkeit! wohin biſt du verſchwunden? Nie kehrſt du wieder, goldne Zeit, ſo froh und ungebunden! Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!

2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Roſtes Raub, erblichen iſt ſein Schimmer, verklungen der Kommersgeſang, verhallt Rapier⸗ und Sporenklang. O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!

3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Spieß bei Scherz und Wein den Herrn der Erde glichen? Sie zogen mit geſenktem Blick in das philiſterland zurück. O jerum etc.

35