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Der Giessener Wingolf : Kommers-Lieder zur Feier des 60. Stiftungs-Festes, 22.-24. Juli 1912
Entstehung
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6. Stoßt an: Freies Wort lebe! Hurra hoch! Wer die Wahrheit kennet und ſaget ſie nicht, der bleibet fürwahr ein erbärmlicher Wicht. Frei, frei, frei iſt der Burſch!

7. Stoßt an: Hühne Tat lebe! Hurra hoch! Wer die Folgen ängſtlich zuvor erwägt, der beugt ſich, wo die Gewalt ſich regt. Frei, frei, frei iſt der Burſch!

8. Stoßt an: Burſchenwohl lebe! Hurra hoch! Bis die wWelt vergehet am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen, und ſinget uns nach: Frei, frei, frei iſt der Burſch!

.Stoßt an: Schwarz⸗Weiß⸗Gold lebe! Hurra hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der iſt's, der unſere Fahne hält. Frei, frei, frei iſt der Burſch!

1. Vom Gleiberg ſchaut ins Lahnrevier der Herr der ſtolzen Veſte:Dies heſſenvolk, ich lob es mir, verſpricht es doch das Beſte. Doch tief noch ſteckts in Sumpf und Wald, auf Bildung kanns nicht denken: man ſollt ihm, mein ich möglichſt bald,'ne hohe Schule ſchenken.

2. Doch anders im Familienrat alsbald ward es beſchloſſen; ſolch ungeſtüme Fortſchrittstat hat allgemein verdroſſen.Mit Wiſſenſchaft verſeh'n die Welt der Kirche würd'ge Diener: ein Kloſter baut von eurem Geld für fromme Auguſtiner!

3. Geſagt, getan: das Kloſter ſtand, den Stiftern macht es Ehre, verſorgte mit Kultur das Land und mancher guten Lehre. Indes der Mönche Bildungswerk ſollt kurzen Ruhm genießen, denn zwiſchen Glei⸗ und Schiffenberg erwuchs das muntre Gießen.

4. Die Muſenſtadt, da war ſie ja, man brauchte nur zu wollen! Das Gute lag auch hier ſo nah für jeden Einſichts⸗ vollen: recht mitten drin im Weltverkehr, bequem im luft'gen Tale, und lieblich floß die Lahn daher, wie Neckar, Main und Saale.

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