Leben gerufen. Schon in dem Namen ſollte zum Ausdruck kommen, daß neben der Volkskunde im heſſiſchen Raum auch die großen Fragen der all⸗ gemeinen Volkskunde von ihr gepflegt werden ſollten. In ihrer ſeit 1902 erſcheinenden Zeitſchrift„Heſſiſche Blätter für Volkskunde“, die ſich Dank der Mitarbeit hervorragender Forſcher auf dem Gebiet der Volkskunde, Philologie und Religionswiſſenſchaft raſch einen ſehr angeſehenen Platz unter den volkskundlichen wiſſenſchaftlichen Zeitſchriften eroberten, erſchienen beſon⸗ ders in den erſten Jahren mehrere noch heute in der volkskundlichen Lite— ratur oft herangezogene Aufſätze über Weſen und Ziele der Volkskunde. Die Blätter, die zur Zeit im 38. Jahrgang ſtehen, erfreuen ſich auch jetzt noch eines großen Anſehens im In- und Ausland. Seit 1920 iſt Profeſſor Dr. H. Hepding der Schriftleiter. Seit 1930 ſind ſie zugleich auch das Organ des von dem Landeshauptmann von Kurheſſen in Marburg neuge⸗ ſchaffenen Kurheſſiſchen Landesamtes für Volkskunde, deſſen Leiter Profeſſor Dr. Bernh. Martin zugleich Mitherausgeber und 1. Vorſitzer unſerer Ver⸗ einigung wurde.
Neben der Herausgabe dieſer Zeitſchrift, der in den erſten 5 Jahren auch noch eine„Zeitſchriftenſchau“ beigegeben wurde, aus der die jetzt vom Ver⸗ band der volkskundlichen Vereine getragenen„Volkskundliche Bibliographie“ hervorgegangen iſt, war die Hauptaufgabe der Vereinigung die Durchführung volkskundlicher Erhebungen in unſerem engeren Arbeitsgebiet. Einen allge⸗ meinen Fragebogen hatte ſchon O. Behaghel für die volkskundliche Sektion des Geſchichtsvereins zuſammengeſtellt, der von der Vereinigung weiter ver— ſandt wurde. Außerdem wurde von Pfarrer O. Schulte, Gg. Koch und H. Hepding ein beſonderer Fragebogen über Kinderlied und Kinderſpiel ver⸗ faßt und auf Veranlaſſung des Verbandes ein eingehender„Aufruf zur Sammlung der deutſchen Segens⸗ und Beſchwörungsformeln“ von Ad. Spa⸗ mer mit Unterſtützung von H. Hepding zuſammengeſtellt. Daneben wurden kleine Umfragen über beſondere Einzelfragen durchgeführt. Ein reiches volks⸗ kundliches Material kam ſo zuſammen, das in dem in der Univerſitäts⸗ Bibliothek aufgeſtellten Archiv der Vereinigung, ſorgfältig katalogiſiert von Prof. Dr. Koch, aufbewahrt wird und als Unterlage für viele volkskundliche Arbeiten gedient hat und dient. Auch mit dem„Südheſſiſchen Wörterbuch“, das natürlich ebenfalls mit Fragebogen arbeitet, ſteht die Vereinigung in enger Verbindung und hat in den letzten Jahren, um deſſen Erhebungen nicht zu beeinträchtigen, auf die Verſendung von beſonderen eigenen Frage⸗ bogen verzichtet. Nach Abſchluß des Wörterbuches ſoll das bei ſeinen Er⸗ hebungen eingelaufene volkskundliche Material mit unſerem Archiv ver⸗ einigt werden.
Auf Veranlaſſung von Staatsarchivar Dr. J. R. Dieterich wurde 1918 die Sammlung der Heſſiſchen Flurnamen von der Vereinigung begonnen. Eine von jenem verfaßte und von der Kritik wiederholt als muſterhaft be⸗ zeichnete Werbeſchrift wurde von uns in alle heſſiſchen Gemeinden geſandt, die Beantwortungen werden im Staatsarchiv aufbewahrt, das ſeinerſeits aus den Urkunden die älteren Flurnamen für die Sammlung auszieht. Die Herausgabe des„Heſſiſchen Flurnamenbuches“ hat ſeit einigen Jahren Pro⸗
28


