feſſor Dr. A. Götze übernommen, unter deſſen Leitung die Veröffentlichungen nun raſch fortſchreiten. Seit 1910 ſind bis jetzt 18 Hefte erſchienen, H. 19 und 20 ſind im Druck, ſo daß in Kürze die erſten vier Bände abgeſchloſſen ſein werden. Weitere Hefte ſind in Vorbereitung.
Hiſtoriſche Landeskunde an der Univerſität Gießen.
Prof. Dr. G. Tellenbach.
Der Aufgabenbereich der Gießener landesgeſchichtlichen Forſchung iſt umfaſſend und vielſeitig. Die Arbeit kann nur in enger Fühlung mit allen anderen dazu berufenen Stellen und Gemeinſchaften durchgeführt werden. Die Verbindung mit ihnen iſt dadurch hergeſtellt, daß die Gießener Hiſto⸗ riker als Mitglieder der Heſſiſchen Hiſtoriſchen Kommiſſion, der Hiſtoriſchen Kommiſſion für Heſſen und Waldeck, dem Oberheſſiſchen Geſchichtsverein uſw. angehören. Beſonders fruchtbar ſind auch die Beziehungen zur Römiſch⸗ Germaniſchen Kommiſſion im Archäologiſchen Inſtitut des Deutſchen Reiches, an deren Frankfurter Inſtitut der Gießener Althiſtoriker Prof. K. Stade mehrere Jahre gewirkt hat. Dadurch iſt die Ausrichtung der altgeſchichtlichen Abteilung des Hiſtoriſchen Seminars ſtark beſtimmt: Mitarbeit an dem großen deutſchen Limeswerk, Erforſchung der römiſchen und germaniſchen Bodenfunde des heſſiſchen Gebietes, Beſchäftigung mit der Frühgeſchichte der Chatten und ihrer Nachbarn. Zu den Themen, die augenblicklich im Vordergrunde ſtehen, gehören etwa folgende: Der römiſche Import in den weſtgermaniſchen Bodenfunden, die römiſche Koloniſation der Wetterau. Die Abteilungen für Mittelalter und Neuzeit behandeln die Geſchichte der jetzt zu unſerem Lande gehörigen Territorien, der Fürſten und Landſtände, der Städte und ländlichen Gemeinden, der kirchlichen Anſtalten und Burgen. Vor allem ſei auf das Mainzer Urkundenbuch hingewieſen, deſſen zweiter Band unter der Leitung von Th. Mayer, bis 1934 Profeſſor an der Uni⸗ verſität Gießen, bearbeitet wird. Eine der jüngſten Gießener Diſſertationen behandelte die Geſchichte des Mainzer Stadtrechtes, einige frühere Arbeiten waren der Geſchichte von Wetzlar gewidmet. Beſondere Aufmerkſamkeit wird der Bevölkerungs⸗, Siedlungs⸗ und Wirtſchaftsgeſchichte zugewandt. Soeben iſt eine Gießener Arbeit über die Wirtſchaftsverhältniſſe der Abtei Seligen⸗ ſtadt im Mittelalter erſchienen, eine andere ſoll die ſoziale und wirtſchaft— liche Lage der Bauern im Lauterbacher Gebiet vor der franzöſiſchen Revo⸗ lution behandeln. Bei allen Forſchungen auf dem Gebiet der hiſtoriſchen Landeskunde wird großer Wert auf die Anwendung der neuen ſtatiſtiſchen und kartographiſchen Methoden gelegt. Die Unternehmungen über heſſiſche Verhältniſſe werden auch für die Reichsgeſchichte ausgewertet. Davon zeugen Schriften der Profeſſoren Th. Mayer und G. Tellenbach. In Angriff ge⸗ nommen ſind auch Forſchungen über Reichsgüter und Reichsritter in unſerem Gebiet.— Selbſtverſtändlich gilt eifrige Anteilnahme den berühmten Söhnen der heſſiſchen Lande, ihrer Herkunft, ihrem Leben und ihrem Wirken draußen in der Welt. Die neueſte Veröffentlichung, die das zeigt, iſt ein Aufſatz
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