4. Studium der alten Vulkane.
Wer ſich über die Geologie der Heimat näher unterrichten will, ſei auf die von Profeſſor Hummel gemeinverſtändlich aufgeſtellte Heimatſamm⸗ lung im Geologiſchen und Paläontologiſchen Inſtitut, Braugaſſe 7 B hinge⸗ wieſen. Eine Beſichtigung mit Führung iſt nach Anmeldung jedermann koſten⸗ los möglich. 7
Demgegenüber kann vorliegende Ausſtellung— abgeſehen von einigen bezeichnenden Schauſtücken und der wichtigſten Literatur nur einzelne, gerade in Arbeit befindliche Teilgebiete erläutern.
A) Tertärformation in der Heſſiſchen Senke. Die Erforſchung der ein⸗ zelnen Schichtglieder in den verſchiedenen Teilen des Landes iſt in einer far⸗ bigen Tabelle wiedergegeben. Aus ihr geht hervor, daß ſich die einzelnen Ablagerungen: Süßwaſſerbildungen, Sumpf⸗ und Moorbildungen, Brack⸗ waſſer⸗ und Meeresablagerungen mehrfach wiederholen. So gibt es in Heſſen z. B. 14 verſchiedenaltrigen Braunkohlenton, 9 Quarzitbänke uſw. Dieſe Wiederholungen ſind auf allmähliche Senkungsvorgänge zurückzuführen, welche mit ruckartigen, mit Bruchbildung verbundenen Heraushebungen ab⸗ wechſelten. Dieſer Bewegungsmechanismus der Erdrinde, der das Land in ein förmliches Schollenmoſaik zerſtückelte, iſt zum erſten Male in der Heſſi— ſchen Senke richtig erkannt worden.— Der Weg, den der Boden der Heſſi⸗ ſchen Senke im Laufe der ca. 30 Millionen Jahre umfaſſenden Tertiärzeit im ſteten Auf und Ab zurückgelegt hat, iſt in einem„Bewegungsdiagramm“ aufgezeichnet. Aus dem Verlauf der Kurve erſieht man, daß die Schwingung der Erdkruſte gegen die Jetztzeit hin immer mehr an Tiefgang verloren, da⸗ bei aber an Schnelligkeit zugenommen hat.— Einzelne tektoniſche Karten laſſen mit ihrem Sprungſyſtem die ſchachbrettartige Moſaikſtruktur des Heſſi⸗ ſchen Bodens erkennen.
Auf einer paläogeographiſchen Tafel iſt die jeweilige Verbreitung von Waſſer und Land in Weſtdeutſchland während der Tertiärzeit wiedergegeben. Wie zum Beiſpiel aus dem Heſſiſchen Hinterland ſtammende Flußſchotter in der Wetterau beweiſen und wie aus den Brackwaſſervorſtößen aus dem Alpenvorland in die Heſſiſche Senke hervorgeht, war unſer Land damals— im Gegenſatz zu heute— von Norden nach Süden gekippt. Ueber den Zeit⸗ punkt der jungen Nordkippung finden zur Zeit eingehende Ermittlungen ſtatt.
B) Eine andere Abteilung iſt der Vulkanforſchung gewidmet. Hiermit betreten wir ebenfalls wiſſenſchaftliches Neuland. Die noch in lebhaftem Meinungsſtreit befindlichen Ergebniſſe zeigen, daß der Vulkanismus der Neuzeit ſich grundlegend von dem der Vorzeit unterſcheidet. Während früher Vulkanexrploſionen mit ihren Aſchenauswürfen nur in Zeiten der Senkung der Erdkruſte, Ergüſſe aber nur in Zeiten der Hebung auftraten, kann heute Aſchen⸗ und Lavaförderung ſtändig miteinander wechſeln. Ging früher die Förderfolge von hellen und leichten zu dunklen und ſchweren Schmelzen vor ſich, iſt es heute in der Regel umgekehrt. Vermutlich ſchöpften die Altvulkane unmittelbar aus einem ca. 50—00 km tief gelegenen ausgedehnten Behälter, in welchem die Schmelze wie im Hochofen fertig nach der Schwere geſchichtet
23


