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Ausstellung landschaftsgebundene Wissenschaft : zur Eröffnung der Akademie des NSD-Dozentenbundes der Universität Gießen / Ausstellungsleitung: Dozent Dr. K. Heidt, Botanisches Institut
Entstehung
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den Unterſuchungen in der hieſigen Klinik ſind jetzt die meiſten Taubſtummen in den Kreiſen, die im Vogelsberg liegen. Ferner gruppiert ſich um die Mittelſtadt Gießens ein größerer Taubſtummenherd. In Rheinheſſen und Starkenburg war beſonders im Süden in den Kreiſen Heppenheim und Er⸗ bach ſehr viel Taubſtummheit im Jahre 1867. Jetzt iſt ſeit 1880 eine Anhäu⸗ fung in den Kreiſen mit Großſtädten wie Mainz, Worms, Offenbach. Im Süden im Kreis Heppenheim hat ſich ebenfalls die hohe Zahl erhalten. Hier ſind im Gebiet des Odenwaldes offenbar weniger Taubſtumme als früher.

Tafel Nr. 5 bringt im Vergleich zu Heſſen eine Statiſtik der Taub⸗ ſtummheit in anderen deutſchen Staaten; ſie wurde gleichfalls in ca. lojäh⸗ rigem Abſtand angefertigt.

Tuberkuloſe der oberen Luftwege.

Prof. Dr. A. Brüggemann.

Die Heilſtätte Seltersberg in Gießen iſt die einzige Anſtalt in Deutſch⸗ land, ja in Europa, die es ſich zur Aufgabe geſtellt hat, die Tuberkuloſe der oberen Luftwege zu behandeln und die Beſonderheiten dieſer Erkrankung zu erforſchen. Da die Tuberkuloſe der oberen Luftwege in der großen Mehr⸗ zahl gleichzeitig mit Tuberkuloſe anderer Organe und zwar in der Haupt⸗ ſache mit derjenigen der Lunge einhergeht, muß ſie ſowohl für ihre beſondere Aufgabe, der Behandlung der erkrankten oberen Luftwege, als auch für die Behandlung der Lungentuberkuloſe eingerichtet ſein. Da die Grundlage jeder Tuberkuloſebehandlung in der konſervativen, hygieniſch⸗diätetiſchen Behand⸗ lung beſteht, iſt vor allem dafür geſorgt, daß die in den Heilſtätten übliche Liegekur teils in Liegehallen im Garten, teils durch die beſondere Balkon⸗ anlage am Haus durchgeführt werden kann. Außer mehreren Behandlungs⸗ zimmern für verſchiedene Inhalations- und Beſtrahlungsverfahren können in den Operationsräumen ſowohl die chirurgiſche Behandlung der erkrankten oberen Luftwege, wie auch die verſchiedenen chirurgiſchen Eingriffe zur Ruhig⸗ ſtellung der erkrankten Lunge ſachgemäß durchgeführt werden. Die Bilder auf Tafel I geben einen kleinen Ausſchnitt aus der Einrichtung.

Die Einweiſung von Patienten in die Heilſtätte geſchah zunächſt nur zögernd. Gewiſſe Bedenken von Arzten und Koſtenträgern über Notwendig⸗ keit und Zweckmäßigkeit einer beſonderen Behandlung einer Tuberkuloſe der oberen Luftwege geſtalteten die Einweiſung oft recht ſchwierig. Die Heil⸗ ſtätte hatte zunächſt nur lokale Bedeutung für die engere heſſiſche Heimat⸗ Wie aus den roten und weißen Säulen der Tafel II hervorgeht, überragt in den erſten Jahren der Zugang der heſſiſchen Patienten. Erſt als die ver⸗ ſchiedenen Erfolge bei den Einzelfällen und durch vermehrte Fühlungnahme mit Arzteorganiſationen uſw. die Anſchauung über die Zweckmäßigkeit einer beſonderen Behandlung der erkrankten oberen Luftwege während des ge⸗ ſamten Tuberkuloſeablaufs immer mehr an Boden gewann, wuchs die Be⸗ deutung der Heilſtätte Seltersberg immer mehr über die engeren heſſiſchen Grenzen hinaus. Der Zuzug aus dem Reich wurde immer ſtärker, ſo daß

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