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Gedenkrede unsres A. H. Provinzialdirektor Dr. jur. Wilhelm Wehner II. bei der Gefallenenehrung in der Großen Aula der Ludoviciana anläßlich des 120. Stiftungsfestes, 9. Juni 1935
Entstehung
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und nicht zuletzt zur Waffenfreude und zur Maffenehre erzogen haben. Seit zwei Jahrtausenden deutscher Geschichte ist allein die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes für sein Schicksal be stimmend gewesen. Die deutschen Corps stellen daher mit den anderen waffenstudentischen Verbänden bewubzt neben der gei- stigen Schulung die Mensur in den Mittelpunkt ihrer Erziehungs- arbeit, nicht aus Freude am Raufhandel, sondern aus der tief- innerlichen Erkenntnis heraus, daß die Mensur ein erprobtes vortreffliches Mittel ist, den jungen Mann zu einer unerschrockenen, tapferen und kraftvollen PFührerpersönlichkeit zu formen und ihn dadurch fähig zu machen, dereinst auf der großen Mensur des Lebens, auf der eine gar scharfe Klinge geschlagen wird, mit Ehren zu bestehen. Denn nicht der musisch-schwärmende, sondern der heroisch-soldatisch geprägte Mann trägt die Aufgaben der Geschichte.

So haben die deutschen Corps, für die von Anfang an das Führer- und das Leistungsprinzip gegolten haben, in bewußzter Führerauswahl ausgezeichnete Männer hervorgebracht, die das Schicksal des Reiches entscheidend beeinflußt haben. Gar oft hat der große und geniale Baumeister des Zweiten Reiches, Otto von Bismarck, in seinen Reden zum Ausdruck gebracht, wieviel er bei der Formung seiner gigantischen Gesamtpersönlichkeit seinem Corps zu verdanken hatte, und mit besonderem Stolz dürfen wir betonen, daß auch der Heros des Dritten Reiches, Horst Wessel, deutscher Corpsstudent gewesen ist.

Die deutschen Corps dürfen aber auch für sich in Anspruch nehmen, daß sie an ihrem Teile dazu beigetragen haben, die aka- demische Jugend auf Deutschlands hohen Schulen im Geiste rest- loser Hingabe und letzter Opferwilligkeit für das Vaterland zu erziehen, der allein sie zu den Taten von Langemarck befähigte. Es ist derselbe Geist, der einst vor 2400 Jahren die kleine Schar der Spartaner unter ihrem tapferen König Leonidas beseelte, als sie den Paß von Thermopylä gegen eine tausendfache Uebermacht verteidigten und den stürmenden Persern den Weg erst frei gaben, als auch der Letzte unter ihnen mutig kämpfend sein Leben ge- lassen hatte. Mit tiefer Erschütterung lesen wir noch heute die in die Felswand der Thermopylen eingemeiselten, ewig denk-