Druckschrift 
Gedenkrede unsres A. H. Provinzialdirektor Dr. jur. Wilhelm Wehner II. bei der Gefallenenehrung in der Großen Aula der Ludoviciana anläßlich des 120. Stiftungsfestes, 9. Juni 1935
Entstehung
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Bis zum letzten Augenblick stehend aus seiner Pistole feuernd, brach er, von zahlreichen Schüssen tödlich getroffen, zusammen. Il est tombé en brave,er ist als tapferer Soldat gefallen, So meldeten die Franzosen, die Zeugen des Kampfes gewesen waren, als sie seine Leiche in das Pfarrhaus des nächsten Ortes brachten.

Ja, tapfere Soldaten waren sie Alle bis zum letzten Atem- zuge, mochte sie nun der Tod auf dem Schlachtfeld, im Feld- lazarett oder in der Heimat ereilt haben.Seine Majestät der Kaiser hat's befohlen, Hurra, waren die letzten Worte, mit denen unser schwerverwundeter lieber Corpsbruder Otto Fischer, der Jüngste unter unseren Gefallenen, im Oktober 1914 entseelt in die Kissen zurücksank. Ein erschütterndes Beispiel stillen Helden- tums gab unser treuer Corpsbruder Walter Beckmann, den als Sanitätsgefreiten noch am 4. November 1918, wenige Tage vor dem unseligen Waffenstillstand als Letzten unserer Toten, das bittere Soldatenschicksal traf, als ihm bei dem Versuch, einem schwerverwundeten Kameraden zu helfen, ein Granatsplitter sein treues Hessenherz zerriß.

Von vielen unserer Toten wissen wir nicht, wie sie auf dem Schlachtfeld der Tod ereilt hat. Von manchen kennen wir noch nicht einmal die Stelle, an der sie zur letzten Ruhe gebettet sind. Vor allem gilt das von jenen fünf treuen Aktiven und In- aktiven, die in der 9O. Kompagnie unseres alten lieben Gießener Kaiser Wilhelm-Regiments am 30. Oktober 1914, dem blutigen Tage von Le Quesnoy ihr junges Leben ließen.

Aber das eine können wir mit aller Bestimmtheit sagen, daß sie auch in der Stunde des Todes ihren ganzen Mann ge standen haben, und diese stolze Zuversicht schöpfen wir aus dem ewigen Quell des ldealismus Deutschen Corpsstudententums. Wir fühlen uns frei von jeglicher Ueberheblichkeit gegenüber anderen Korporationen, die auf anderen Wegen und mit anderen Mitteln, wie wir, ihre Angehörigen erziehen. Aber wir dürfen doch in aller Bescheidenheit auch in dieser Feierstunde feststellen, dabs nun schon seit fast 1 ½ Jahrhunderten die deutschen Corps die ihnen anvertraute Jugend in harter Zucht und fester Disziplin zu vornehmer, ritterlicher Lebensauffassung, zur Bhrenhaftigkeit und tiefen Vaterlandsliebe, zum Mannesmut und Charakterstärke