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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 63.

zu beseitigen, statt die Einpflanzung des Ureters vorzunehmen. Bei frischen Fällen ist das selbstverständlich anders. Ich habe bei der Operation eines gangränösen Myoms den Ureter durchschnitten und sofort in die Blase wieder eingepflanzt. Trotzdem hier durchaus nicht aseptische Wundverhältnisse vorlagen und auch längere Zeit ein Gazedocht in der Nachbarschaft der Einpflanzungsstelle gelegen hat, ist die Einheilung in diesem Falle ganz glatt erfolgt. Meine Warnung vor Einpflanzung des Harnleiters in die Blase bezieht sich nur auf lang bestehende Harnleiterscheidenfisteln, die keine Gewähr für aseptische Verhältnisse bieten und demgemäß für die Frauen sehr gefährlich sind.

Des weiteren möchte ich kurz 2 Fälle erwähnen, die mir sehr lehrreich zu sein scheinen. Ich habe sie bereits in einem kurzen Aufsatz im Zentralblatt erwähnt, anläßlich einer Veröffent- lichung von Riek über dieUngefährlichkeit des Intratuerin- stiftes.

Bei der einen Frau entwickelte sich nach längerem Tragen des Intrauterinstiftes ein links neben dem Uterus gelegener Tumor, der nach Form und Konsistenz in jeder Beziehung einem subserösen Myom der linken Uteruskante von etwa Kindskopfgröße glich. Nach längerem Bestand bildete sich aber dieser Tumor vollständig zurück, so daß keine Spur mehr von ihm nachzuweisen war. Sprach dieser Fall schon dafür, daß hier nicht unbedenkliche Störungen qurch den intrauterinen Stift hervorgerufen worden waren, so zeigte uns ein zweiter, daß selbst tödliche Infektionen durch ihn verursacht werden können. Es handelte sich um eine junge Frau, die wegen Sterilität und Dysmenorrhöe bei uns operiert worden war. Journal- Nr. 576, 1912. Sie sollte zur dauernden Erweiterung des inneren Muttermundes ein Fehlingsches Röhrchen über die Zeit der nächsten Menstruation hinweg tragen. Diese Frau kam, nachdem die Menstruation beschwerdefrei verlaufen war, mit einem schweren Krankheitsbild wieder zur Aufnahme. Ziemlich hohes Fieber, mehr aufgetriebener als schmerzhafter Leib, jedoch keine weiteren sicheren Zeichen von Peritonitis, so daß wir, zumal Erbrechen fehlte und die Zunge feucht war, zunächst an eine entzündliche Affektion im Becken mit geringer Beteiligung des Bauchfelles dachten. Der weitere Verlauf zeigte aber, daß in der Tat eine Peritonitis vor- handen war und als wir auf Grund der gesicherten Diagnose durch Laparotomie und Offenhalten der Wunden für dauernde Ableitung