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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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64 Erich Opitz.

des Sekretes sorgen wollten, konnte trotz Kochsalzwasserinjektion und Adrenalin der tödliche Ausgang nicht mehr aufgehalten werden. Es sind die beiden ersten Fälle von Schädigung, die ich durch die Anwendung des Fehlingschen Intrauteringlasröhrchens gesehen habe. Sie zeigen uns aber an, daß unter gewissen Umständen sehr erhebliche Gefahren damit verbunden sein können. Wir werden also von diesem Instrument in Zukunft keinen Gebrauch mehr machen und können nur lebhaft davor warnen.

Im vorstehenden, leider schon recht umfangreich gewordenen Bericht, der trotzdem die uns bei der operativen Tätigkeit entgegen- getretenen Fragen nur teilweise streift, habe ich versucht, ein Bild über die Leistung der Klinik in therapeutischer Hinsicht zu geben. Wir haben uns auch bemüht, die wissenschaftliche Durchforschung unseres Materials nicht zu vernachlässigen; wieweit das mit Erfolg geschehen ist, darüber mögen andere urteilen. Ich füge am Schlusse eine Liste der seit Ostern 1912 aus der Klinik hervorgegangenen Arbeiten und Dissertationen bei. Ein weiterer Teil ist in den nachfolgenden Blättern veröffentlicht. Ich darf noch kurz erwähnen, in welcher Richtung sich der größte Teil unserer Untersuchungen zurzeit bewegt.

Das zurzeit für den Gynäkologen wichtigste Thema dürfte die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Genitalleiden und Störungen des vegetativen Nervensystems sein, denen wir durch Bearbeitung geeigneter Fälle nachzugehen suchen. Diese Arbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen. Ein zweites Arbeitsgebiet ist die Untersuchung der Schwangerschaftstoxikosen, die durch breit angelegte Untersuchungen, über die schon Publikationen von Jaschke und anderen Zeugnis ablegen, gefördert werden sollen.

Ein drittes Thema ist die durch die Abderhaldenschen Forschungen angeregte Untersuchung der fermentativen Vorgänge bei Schwangerschaft und allgemeinen Erkrankungen.

Schließlich suchen wir die Strahlenbehandlung zu fördern und dieser Therapie durch biologische Untersuchungen eine breitere Grundlage für die therapeutische Anwendung zu geben. Daneben laufen natürlich die durch die ständigen klinischen Untersuchungen bedingten bakteriologischen, chemischen und physiologischen Unter- suchungen, deren Ergebnisse von Zeit zu Zeit eine Bekanntgabe lohnen.