Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 61
mit dem Ausbrennen des Karzinomkraters und einer Nachbehandlung mit Jodcholin und Kalomel, über das ich an anderer Stelle berichtet habe, zu begnügen. Die Möglichkeit, durch Strahlenbehandlung, sowohl Radium- wie Röntgenstrahlen, bessere Erfolge zu erzielen, mit geringerer Gefahr für die Patienten, hat mich der Notwendig- keit enthoben, das Verfahren anzuwenden. Wir operieren jetzt, wie schon erwähnt, zunächst keine Karzinome mehr, sondern wollen erst abwarten, wie sich die Dauerheilung der Karzinome nach der Strahlenbehandlung gestaltet. Wenn die Strahlenbehandlung das halten sollte, was sie vorläufig zu versprechen scheint, so werden wir auch die sehr gründlichen aber mörderischen Operationen auf- geben können. Selbst wenn unsere Hoffnung trügen sollte, werde ich in Zukunft derartig eingreifende Operationen, wie sie unsere Art der radikalen Operation ist, nicht mehr ausführen, sondern mich mit einfachen Radikaloperationen, entsprechend der Wert- heimschen Methode, begnügen und in manchen Fällen wohl auch die vaginale Totalexstirpation, mit möglichster Ausräumung des Parametriums, also in der Form, wie sie Schauta gelehrt hat, anwenden. Ueber unsere Strahlenbehandlung wird weiter unten von Behne und mir berichtet.
Auf unsere Stellungnahme bezüglich der Verlagerungen des Uterus an dieser Stelle näher einzugehen, erübrigt sich, da Seitz in nächster Zeit über unsere Anzeigestellung und Erfolge ausführ- lich berichtet.
Nur einige besondere Fälle seien noch erwähnt. Im Anfang meiner Gießener Tätigkeit haben wir kurz nach einander 3mal das Aufplatzen der Bauchwunde gesehen. Sämtliche Frauen sind qurch die Sekundärnaht völlig wiederhergestellt worden. Offenbar ist unsere Methode der Bauchnaht nicht schuld gewesen, sondern scheinbar die Beschaffenheit des Katguts, das wohl in dieser LZeit zu lange in der Jodlösung gelegen hatte und deshalb brüchig geworden war. Bei allen 3 Frauen waren übrigens besondere Anstrengungen der Bauchpresse durch häufiges Erbrechen oder Hustenreiz als nähere Ursache anzuschuldigen. Da wir aber Gleiches bei späteren Operationen noch oft genug erlebt haben, ohne daß es zum Aufplatzen der Bauchwunde gekommen wäre, ist anzu- nehmen, daß die Beschaffenheit des Nahtmaterials die Ursache dieses Aufplatzens gewesen ist. Ueber diese Fälle ist im einzelnen in der Dissertation von Sundheim berichtet worden.


