Druckschrift 
Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 57

scheinenden Arbeit im Ergänzungsband 1914 der Eulenburgischen Realenzyklopädie zusammengestellt. Unter den 151 PFällen sind 3 Todesfälle zu beklagen gewesen.

Der 1. betrifft Frau Oe., Journal-Nr. 291, 1912, eine 78jährige Frau, die mit einem inkarzerierten, jauchenden Prolaps zu uns kam. Erst nach Heraussägung des Ringes und längeren Spülungen wurde die Operation vorgenommen. Indessen vermochten bei der dekrepiden Prau die Nähte in dem offenbar trotz längerer Vorbehandlung noch nicht genügend aseptischen Gewebe nicht zu halten, und so ging die Frau an Sekundärinfektion unter den äußeren Anzeichen einer Hirnembolie zugrunde. Sektion verweigert.

Der 2. Fall betrifft eine ältere Frau, Journal-Nr. 57, 1914, mit schwerer Myocarditis, die wenige Tage nach der Operation unter den Erscheinungen des plötzlichen Herztodes zugrunde ing. Auch hier wurde die Sektion verweigert.

Der 3. Fall, Journal-Nr. 266, 1914, betrifft ebenfalls eine alte Frau, bei der nach der Operation laut Ausweis des Sektions-

befundes eine starke Nachblutung ins Gewebe stattgefunden hat. Die eigentliche Todesursache la Muskelerkrankung des Herzens, die ebenfalls vom Obduzenten fest-

g aber auch hier in einer schweren gestellt worden ist.

Wir hätten also bei den Prolapsoperationen eine Mortalität von 2%. Indessen sind nur gestorben 2 Frauen mit außerordentlich schwerer Herzerkrankung und eine Frau in sehr hohem Alter mit gänzlich verwahrlostem Prolaps mit starken Eiterungen aus der Scheide. Natürlich dürfen diese Fälle nicht einfach abgezogen werden, aber ich glaube, es ist doch wohl der Schluß gestattet, daß man unsere Methode der Prolapsoperation als eine bei im übrigen gesunden Frauen gefahrlose Operation hinstellen kann. Ich muß das besonders betonen im Hinblick auf die pessimistische Aeußerung in bezug auf große Levatorplastiken, die sich in der Operativen Gynäkologie von D öderlein und Krönig und auch in manchen anderen Aeußerungen erfahrener Operateure findet. Auch wir haben, ehe sich bei uns die Levatorplastik zur typischen Operation entwickelt hat, die Erfahrung gemacht, daß große hintere Kolporrhaphien und Dammplastik zu den gefährlichsten Operationen gehören. Während wir schon damals bei Laparotomien mit Aus- nahme der Karzinome fast ausnahmslos gute Erfahrungen hatten, haben wir verhältnismäßig zahlreiche Todesfälle an Embolien und