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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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56 Erich Opitz.

stellen lassen, und dabei hat sich auf 111 Operationen nur 1 Todes- fall und zwar an Embolie ergeben. Hier handelt es sich um eine Kranke, die am 6. Tage nach der Operation, als sie schon außer Bett war, nach bis dahin völlig glattem Verlauf beim Zubettgehen von einer Lungenembolie überrascht wurde und in wenigen Minuten eine Leiche war.

Dagegen sind unsere Erfahrungen mit der Operation tuber- kulöser Adnextumoren ausgesprochen schlecht. Unter 10 radikalen abdominalen Operationen wegen Genitaltuberkulose, von denen allerdings 4 erst am Operationspräparat diagnostiziert wurden, haben sich 3 Todesfälle ereignet und zwar betrifft der eine eine 57jährige, außerordentlich fettreiche Frau, bei der eine sekundäre Infektion der tuberkulösen Adnexe zustande gekommen war(Journal-Nr. 563, 1913). Die Symptome, unter denen der Exitus eingetreten war, machen eine eitrige Peritonitis wabrscheinlich. Sektion wurde leider nicht gestattet. Der Verlauf machte es wahrscheinlich, daß die doppelte Sicherung der Bauchhöhle hier ausnahmsweise nicht ausgereicht hat, das Aufsteigen der Infektion aus dem Becken zu verhüten.

Der 2. Fall, Journal-Nr. 133, 1913, war eine ungewöhnlich schwere Operation, von der oben berichtet worden ist.

Der 3. Fall, Journal-Nr. 676, 1912, ist auch oben angeführt.

Es kommen von Todesfällen bei Tuberkulose hinzu: 2 Probe- laparotomien, die bereits oben erwähnt wurden. Es wurde lediglich eine Eröffnung des Abdomens ohne irgendwelche weitere Eingriffe vorgenommen.

Man sieht also, daß die Genitaltuberkulose, wenigstens in fortgeschrittenen Fällen, eine recht schlechte Prognose für die Radikaloperation gibt. Wir sehen deshalb nach Möglichkeit von einer Operation bei Genitaltuberkulose ab und suchen durch kon- servative Mittel eine Heilung zu erreichen. Ueber unsere Er- fahrungen mit Tuberkulin Rosenbach hat Lindig in einer der folgenden Arbeiten näher berichtet. Auch die Behandlung mit Röntgenstrahlen und mit der künstlichen Höhensonne gibt zu guten Hoffnungen Berechtigung.

Ich wende mich zu der Betrachtung der Prolapsoperationen. In der Berichtszeit haben wir 151 Prolapse operiert. Ueber diese Fälle wird noch genauer in einer Dissertation berichtet werden. Ich habe unsere operativen Grundsätze in einer demnächst er-