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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetat. 55

niedergelegten Untersuchungen haben uns den Schluß aufgedrängt, daß die Entfernung des Wurmfortsatzes früher häufig überflüssigerweise er- folgt ist.

Diese Operation dauert durchschnittlich 20 30 Minuten. Unter Umstünden verlängert sich die Dauer etwas, wenn noch andere Eingriffe hinzukommen. So wird durch intraligamentäre Entwicklung der Myome oder Verwachsungen oder anderweitige Erkrankungen der Eingriff sich schwieriger gestalten. Das oben angegebene Schema verfolgen wir wenn möglich in ganz gleicher Weise bei jedem Fall und lassen uns nur durch

besondere Verhältnisse zu Abwandlungen je nach Bedarf veranlassen.

Unsere Anzeigestellung hat sich seit Aufnahme der Strahlenbehandlung in der Weise verschoben, daß wir früher, wo überhaupt eine Anzeige zur Behandlung der Myome bestand, diese typische Operation vorgeschlagen haben. Heute lasse ich den Patienten selbst die Wahl zwischen operativem und nichtoperativem Vorgehen. Anzeige zur Ablehnung der Bestrahlung geben uns die Fälle von submukösem Myom und von Verdacht auf Corpuskarzinom oder sarkomatöse Entartung. Ebenso werden Frauen mit gestieltem subserösem Myom, bei denen eine einfache Abtragung des Tumors aussichtsvoll erscheint, nicht bestrahlt, sondern operiert. Ueber die Ergebnisse der Strahlenbehandlung wird weiter unten im Zusammen- hang berichtet. Die Zahl der Fälle verteilt sich ungefähr in gleicher Weise auf Operation und Strahlenbehandlung. Vielfach spielen natürlich auch soziale Anzeigen eine Rolle. Da die Behandlung mit großen Strahlenmengen ziemlich teuer ist und die Kranken- kassen meistens die Bezahlung der entstehenden Kosten ablehnen, müssen auch manche Frauen operiert werden, denen- wir eher zur Strahlenbehandlung geraten hätten. Uebrigens haben wir doch auch in bezug auf das Uebersehen von Corpuskarzinom gelegentlich be- denkliche Erfahrungen gemacht. Erst kürzlich wurde eine Frau, bei der nach langen Verhandlungen die Kasse die Bestrahlung ab- gelehnt hatte, wegen eines ungefähr kindskopfgroßen Myoms operiert. Das Operationspräparat zeigte aber, daß das vermeintliche Myom ein ganz ungewöhnlich großes, die Wand stark zerstörendes Karzinom des Corpus uteri war.

Unsere Erfahrungen mit Radikaloperationen wegen entzünd- licher Adnexerkrankungen sind hier in Gießen verhältnismäüßig gering. Ich habe meine Düsseldorfer und Gießener Erfahrungen

pis zur Mitte 1913 in der Dissertation von Kornmesser zusammen-