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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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54 Erich Opitz.

ist überhaupt keine Auswahl getroffen worden, sondern sämtliche Patienten, wie sie kamen, sind operiert worden, viele freilich erst nach längerer Vorbereitung. Auch in der Zeit, wo wir gleichzeitig Bestrahlungen ausgeführt haben, sind durchaus nicht die schweren

Fälle der Bestrahlung überwiesen und die leichteren operiert worden.

sondern es mußten oft gerade besonders ausgeblutete Frauen aus

sozialen Anzeigen der Operation unterworfen werden.

Unter den Myomen befindet sich eine ganze Anzahl besonders schwieriger Fälle. Das größte hat ein Gewicht von 18 kg und war durch massenhafte, von fingerdicken Venen durchzogene Ver- wachsungen mit der Umgebung, Darm, Leber, Magen, Netz, Vor- derbauchwand, verbunden, so daß es sich um einen kolossalen Ein- griff bei einer schwer ausgebluteten und recht heruntergekommenen Kranken handelte. Was unsere Operationsmethode betrifft, so bevor- zugen wir die Totalexstirpation.

Diese wird ganz typisch bei uns in folgender Weise ausgeführt:

Längsschnitt nach Lennander, Vorziehen des Tumors, Abbinden der Ligg. inf. pelv. und rott., Durchtrennen des Blasenperitoneums und Abschieben der Blase bis herab auf die vordere Scheidenwand, Unter- stechung der uterinen Gefäße jederseits im Stamm und Abtrennen des Unterbindungsstumpfes vom Uterus, Unterstechung der Ligg. sacro-ut., Abschneiden des Uterus von der Scheide mit der Schere ringsherum mög- lichst dicht an der Portio, wenn nötig Vervollständigung der Blutstillung, Einführen eines Tupfers in die Scheide, Knopfnaht zur Vereinigung der Scheidenwunde, Sicherung der Ligaturstümpfe an den Ligamenten, fort- laufende Naht des Peritoneums über dem Wundgebiet im Becken. Wenn möglich, Zwischenlagerung des Netzes zwischen Operationsgebiet und Därme.

Wie bei jeder abdominalen Operation wird, wenn nicht besondere

Gegenanzeigen vorliegen, die Besichtigung des Darmes, insbesondere des

Cöcums und Processus vermiformis und auf der anderen Seite des S Ro manum vorgenommen; Entfernung des etwa erkrankten Wurmfortsatzes, Lösung von Verwachsungen, wenn Schmerzen von diesen ausgegangen sind und sorgfältige Bedeckung etwa entstehender peritonealer Ver- letzungen. Bezüglich des Wurmfortsatzes möchte ich bemerken, daß ich auf Grund unserer Untersuchungen, über die ich in dieser Zeitschrift und auf dem Chirurgenkongreß in Berlin 1914 berichtet habe, in den Fällen, wo nicht augenscheinliche Erkrankungen des Wurmfortsatzes vor- liegen und wo nicht am Cöcum operative Maßnahmen nötig erscheinen, ebenso auch bei Frauen jenseits des 45. Lebensjahres auf Abtragung des

Wurmfortsatzes meist verzichte. Die in den erwähnten Veröffentlichungen