Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 53
fall und diese Embolie tatsächlich nichts mit der Operation zu tun hatten. Ich habe öfters Gelegenheit gehabt zu sehen, daß bei stark ausgebluteten patientinnen Thrombosen sehr ausgedehnter Art und Embolien auch ohne operative Eingriffe zustande kommen. Ein Gleiches möchte ich bei dieser Patientin annehmen, da sie bereits am 11. Tage nach der Operation sich befand und bis dahin sich vollkommen wohl befunden hat, als die Throm- bose die ersten Symptome machte. Immerhin möchte ich diesen Todes- fall nicht abziehen.
Wir haben also unter 102 abdominalen Radikaloperationen wegen Myoms einen Todesfall zu beklagen. Rechne ich die Fälle aus meiner Düsseldorfer Tätigkeit hinzu, so sind davon bereits die ersten 50 mit abdominaler Totalexstirpation früher veröffentlicht worden. Ich habe noch später 35 abdominale Totalexstirpationen in Düsseldorf gemacht ohne Todesfall und seit Abschluß der Arbeit seit dem 1. Juni 1914 sind bis zum 15. Juli 1915 noch weitere 42 Myome radikal operiert worden, so daß ich jetzt im ganzen über eine un- unterbrochene Reihe von 229 abdominalen Radikaloperationen wegen Uterusmyoms verfüge mit einem einzigen Todesfall, der noch dazu — wie oben ausgeführt— wohl kaum der Operation zur Last fallen dürfte. Unter diesen Myomen haben sich nur 2mal außer dem Todesfall Thrombosen gefunden, so daß also auch der Prozent- satz von Thrombosen nach Myomoperationen gegenüber anderen Operationsstatistiken als sehr günstig bezeichnet werden darf.
Uebrigens möchte ich noch auf eines aufmerksam machen. In der „Operativen Gynäkologie“ von Döderlein und Krönig ist eine Statistik von mir aufgenommen über 50 abdominale Totalexstirpationen wegen Myoms mit einem Todesfall. Diese Angabe ist nicht richtig. Dieser eine Todesfall betrifft, wie ich in der erwähnten Veröffentlichung besonders betonte, eine Frau, die mit 40 Fieber wegen verjauchten Myoms operiert werden mußte. Es geht doch nicht an, einen Fall, bei dem man noch wegen bereits bestehender Sepsis einen Versuch zur Rettung macht, in eine Reihe zu stellen mit aseptischen Myomoperationen.
Ich möchte also feststellen, daß ich über eine ununterbrochene Beihe von meinen Assistenten und mir operierter Myome von 229 Fällen mit einem einzigen Todesfall verfüge. Ich möchte noch ausdrücklich betonen, daß unter diesen Fällen überhaupt keine Auswahl betreffend der Schwere des Falles getroffen worden ist. Wir haben wohl im letzten Jahre eine größere Reihe von Myom- patienten bestrahlt und dadurch zur Heilung gebracht, aber vorher


