Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 49
wir Flexur und Netz, nach Bedarf auch andere Darmteile heran- ziehen, um durch Fixierung derselben oberhalb des Operations- gebietes einen sicheren Abschluß zu erzwingen.
Zur Hygiene der Operation gehört auch eine zweckmäßige Nachbehandlung. Auch hier bin ich je länger je mehr ein überzeugter Anhänger des Frühaufstehens geworden. Besonders bei anämischen Kranken, wenn nicht Gegenanzeigen bestehen, suchen wir die Frauen möglichst zeitig außer Bett zu bringen. Durchschnittlich geschieht das bereits am Tage nach der Operation. Als Gegenanzeigen betrachten wir Krankheiten, bei denen auch sonst Bettruhe erforderlich ist, so vor allen Dingen Heræzfehler und Nierenerkrankungen, bei denen ja bekanntlich Bettruhe ein wichtiges Heilmittel darstellt. Ebensowenig lasse ich, von Ausnahmefällen abgesehen, Frauen, bei denen eine plastische Operation am Damm vorgenommen ist, vor dem 12.—14. Tage außer Bett. In allen diesen Fällen, besonders aber, wenn es sich um ältere Frauen handelt, muß an Stelle des zeitigen Aufstehens durch Atemgymnastik, durch aktive Bewegungen und durch Massieren der Blutumlauf angeregt werden. Im allgemeinen ist es uns dadurch auch gelungen, die Gefahr der Thrombosen zu vermeiden. Immerhin haben wir doch eine ganze Anzahl von Thrombosen beobachtet und leider auch einige Todesfälle an Embolien zu beklagen gehabt, über die noch unten zu sprechen sein wird. Eine Zusammenstellung der in der Berichtszeit beobachteten Thrombosen und Embolien nach gynäkologischen Operationen ist in der Dissertation von Linden enthalten. Zur Erleichterung der ersten unangenehmen Tage nach der Operation verabreichen wir den Frauen am Nachmittag nach der Operation ein Wasserklysma, um den Durst zu beseitigen. Sie erhalten ferner in den beiden ersten Nächten, wenn sie es sich selbst nicht ausdrücklich verbitten, Morphium oder Pantopon.
Zur Anregung der Darmbewegung machen wir schon vom 2. Tage an von Pituitrin Gebrauch, das zugleich auch anregend auf die Herztätigkeit wirkt und vor allen Dingen die Blasenentleerung günstig beeinflußt. Wenn nicht besondere Gegenanzeigen vor- liegen, wird am Morgen des 3. Tages nüchtern Rizinus gegeben in einer Emulsion von Mandelmilch, was fast regelmäßig den ge- wünschten Erfolg herbeiführt. Gelegentlich werden auch andere Mittel, z. B. Peristaltin, Einläufe, angewandt. Weiterer Ausbau der Nachbehandlung dürfte noch möglich sein.


