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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 47

erhalten deshalb, wenn nicht, wie bei Operationen, die den Darm voraussichtlich beteiligen, eine gewisse Hungerkur notwendig ist, ausreichendes Essen am Tage vor der Operation, nur wird auf schlackenarme Beschaffenheit der Kost geachtet.

Die hervorragendste Wichtigkeit für die Operationsprognose besitzt aber das Herz. Es wird deshalb vor jeder Operation die Kranke mit möglichster Genauigkeit auf den Zustand ihres Herzens untersucht und auch noch eine Funktionsprüfung vorgenommen, so daß wir ein möglichst sicheres Urteil über die Leistungsfähigkeit des Herzens gewinnen. Handelt es sich um junge, kräftige Menschen mit gutem Herzen, so ist eine Vorbehandlung des Herzens nicht, notwendig. Sind jedoch irgendwelche Zweifel an der Leistungs- fähigkeit des Herzens möglich oder durch den Befund begründet, so schicken wir bei eingreifender Operation eine Digitaliskur voraus, entweder mit Pillen aus Pulv. fol. digitalis oder mit Digipuratum, und zwar so, daß die Kranken bis zum Operationstag 1 g wirksamer Digitalis erhalten haben.

Natürlich erfordert auch der Zustand der Lunge und der Niere eine genaue Feststellung. Bei Lungenerkrankungen und insbesondere Tuberkulose wird an Stelle der Inhalationsnarkose Lumbalanästhesie mit Tropakokain benutzt. Akute Katarrhe geben, wenn keine Indicatio vitalis vorliegt, eine Gegenanzeige gegen Operation oder werden vorher zur Heilung gebracht. Die Nierenerkrankung ist für die Operationsprognose bedenklich nach manchen Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Wenn irgend möglich, vermeiden wir im Falle von Albuminurie die Operation. Ebenso werden nur dringliche Fälle operiert, wenn ein Diabetes nachzuweisen ist.

Für die Schmerzausschaltung benutzen wir im allgemeinen den Dämmerschlaf mit Skopolamin-Pantopon und nachfolgender Aethernarkose. Bei kurzen Eingriffen machen wir auch von Chlor- àthyl Gebrauch, meistens aber benutzen wir auch dazu den Aether und zwar als Aetherrausch. Am Abend vor der Operation erhalten die Patienten ein Schlafmittel, gewöhnlich Veronal-Natrium. Nur wo wegen Lungen- oder schweren Herzerkrankungen eine Gegenanzeige gegen diese Art der Narkose besteht, benutzen wir die Lumbal- anästhesie mit Tropakokain. Im großen ganzen scheint uns die einfache Art der Inhalationsnarkose, mit der wir nur gute Erfah- rungen gemacht haben, als das beste Verfahren, zumal Störungen